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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Henri Didier schrie ihm nach: .,O'ö8t uus ivtarniö!" und Belmontetsetzte den Trumpf darauf:Vons n'sts8 xg.8 ?rantzais!"; derPräsident Graf Walewski sah sich genöthigt, um deu Sturm zubewältigen, Favre ins Gewissen zu reden: er sehe doch, daß er dasGefühl der Kammer verletze, und möge sich Zwang auferlegen.(Sitzung vom 14. März 1867.)

Noch wüthender als die confervativen Parteigänger des Kai-sers waren die liberalisirenden. Das Unglaublichste leistete bekannt-lich der famose Emile v. Girardin, der Journalist, der von allenLebenden am besten verstand, des Pariser Publikums Aufmerksam-keit zu fesseln. Auch er predigte zeitweise Frieden, auch er spielteunter Umständen die sanfteste Hirtenflöte, auch er könnte ohneZweifel, wie der Kaiser, wie Thiers, Favre und alle andern, Hun-derte von Artikeln beibringen, in denen er dem reinsten Humanis-mus und der liebevollsten Nachbarschaft mit Deutschland das Wortgeredet. Aber als mit dem Jahre 1869 die Bestimmbarkeit derkaiserlichen Entschlüsse aus dem schwankenden, erschlaffenden, tasten-den Wesen des Imperators immer merkbarer geworden, als gleich-zeitig der Glaube an die vollendeten Rüstungen immer mehr Nah-rung aus dem Kriegsministerium bezog, hielt er den Moment fürgekommen, das grobe Geschütz aufzufahren. Das Signal gab diemit jenen Angaben zusammenhängende Phrase der Thronrede vom18. Januar 1869, welche deu Stoff zu einer breiten Zeitungs-polemik lieferte, und uns heute wie das Präludium zum Juli 1870erscheint. Die Stelle der Thronrede lautet:Das Wehrgesetz unddie von Ihrem Patriotismus bewilligten Geldmittel haben dazu bei-getragen, das Vertrauen des Landes zu befestigen und im gerechtenGefühl seines Stolzes hat dasselbe eine wahre Genugthuung em-pfunden an dem Tage, an welchem es wußte, daß es sattsam vor-bereitet, um allen Eventualitäten ins Angesicht schauen zu können."