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Nächstliegende Mittel dar. Wie die Linke auf Sadowa herumreitet,so macht auch der Nebenbuhler Olliviers in der kaiserlichen Gunstdie Angriffe aus Deutschland zu einer seiner Hauptoperationsbasen.Element Duvernois, das jüngste Schooßkind der kaiserlichen Schwäche,war seiner Zeit in Algier ein Journalist der feuerrothen Republikund wegen Opposition gegen das Militärgouvernement ausgewiesenworden. In Paris tritt er in die Redaetion der „Libertö" einund schmeichelt sich so sehr in die Gunst des Regenten, daß er nachOlliviers Fall gerade noch vor Thorschluß deu Friedcnsmarschallstab,den jeder Journalist im Ranzen trägt, ein Ministerportefeuille, er-wischt. Auch dieser Element Duveruois, der seinen geheimen Ein-tritt durch die Tapetenthür des kaiserlichen Cabinets hat, ist längsteiner der Hauptkriegshetzer gewesen und hat sich namentlich in dembelgischen Conflict mit Angriffen und Verdächtigungen gegen Preu-ßen hervorgethan.
Wenn die verschiedenen Schattirungen der Opposition dasihrige zur langjährigen Vorbereitung des Kriegs beigetragen haben,so darf eben nicht außer Augen gelassen werden, daß die nächsteUmgebung der Tuilerien es war, welche die Fackel in den ange-häuften Brennstoff geworfen hat. Zwischen der Erledigung desbelgischen Eisenbahnstreits im Frühjahre 1869 bis zum Ausbruchedes Krieges war gerade eine Zeit friedlicher Stimmung eingetreten,dergleichen seit 1866 nicht mehr dagewesen. Eben in jenem Früh-jahre 1869 aber wollten zur Abwechslung wieder einmal die Regie-rungsblätter uud der Senat bei Gelegenheit der Wahlen es mit derKriegsfanfare versuchen. Als Michel Chevalier am 11. April imSenat bei Berathung des Kriegsbudgets bat, man möge doch nichtdurch die Haltung dieses hohen Staatskörpers zum Krieg aufreizen,flogen ihm von allen Seiten Injurien an den Kopf, und er ward„Prussien" gescholten, wie seitdem Jeder, der Vernunft zeigte.