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des Schwarzwaldes (dem bereits lange vor dem Hotel äs Villeder Segen des Petroleums zugedacht war) eine wahre französischeKolonie bei sich sahen. Wie konnte man sich vorstellen, daßdiese freundnachbarlichen Gäste und Wirthe vom Tage zuvorsich plötzlich in unerbittliche und grimmige Feinde verwandelnwürden?"
Wenn man früher die wenigen Franzosen bezeichnen wollte,welche in Paris mit deutscher Wissenschaft und deutscher Kulturvertraut seieu, so nannte man unter den fünf oder sechs meist Ein-geweihten wohl Professor Mszieres, den Verfasser obigen Blödsinns.Danach möchte man versucht sein auszurufen: „Wie mag es erstmit den Stockfranzosen aussehen!" Allein das wäre eben ein Irr-thum. In diesem Punkte stehen sie Alle auf demselben Stand-punkte, und jeder Bildungsunterschied verschwindet vor der befan-genen Eigenliebe. Es ist damit oben nicht besser als unten undunten nicht schlimmer als oben.
Selbst Ernst Renan betete dieses thörichte Geschwätz den Zeitun-gen nach, die wegen mißlungenen Erpressungsversuchs uur um soschäumender lärmten. Auch die bittersten Erfahrungen sollen unsnicht verleiten, des liberalen Verhaltens der Franzosen in einstigenguten Friedenszeiten jemals uneingedenk zu werden. Welchen Nutzenund welche Interessen sie immer dabei gehabt, sie verfuhren wirk-lich von jeher äußerst freisiuuig, z. B. bei Anstellung von Aus-ländern im öffentlichen Dienst; auch im geselligen Verkehr verhieltsich nie ein Volk weniger ausschließend gegen die Fremden. Da Deutscheihnen (wie allen) am besten dienstbar, nützlich und verständlich sich zumacheu wußten, so waren es auch die Deutschen, welchen jeneVorurteilslosigkeit am meisten zu gute kam. Gäbe es in solchenDingen eine Compensationsrechnuug, die Franzosen hätten unsBöses genug gethan, um den Dank auszugleichen. Aber es handelt