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sich hier für uns nicht um Rechnungsaufstellung, sondern nur umdie Charakterstudie, und da ist es vor allem belehrend zu sehen,wie sie in diesen: GegenseitigkeitSvcrhältniß, in diesem Austauschvon Leistungen aller Art, sich nur als die Wohlthäter, uns als dieBegnadeten und im nächsten Augenblick als die Verräther ansahen.Erst wollten sie die Dienstpflichtigen zurückhalten, dann jagten siedieselben mit Wuth davon. Im vorigen Jahrhundert faßen dieFranzosen in Deutschland fest, nicht in Massen dienend, arbeitend,lehrend, sondern überall an den Höfen tonangebend, regierend, ge-nießend. Es hat das wahrlich keinen von ihnen jemals auf denGedankeil gebracht, daß um deßwillen Ludwig XV. , die Revolu-tion und das Kaiserthum nicht hätten Deutschland bekriegen sollen.Noch uuendlich viel thörichter waren die Vorstellungen von Ver-rätherei, welche mit diese,: Deutschen verbunden wurden. Was um'sHimmelswillen sollten sie verrathen? Die berühmten Pläne vonBazaine? Oder die Wege und Festungswerke von Frankreich , derenKarten in Berlin viel besser vorhanden waren als in Paris , undwelche sich französische Ofsiciere im Laufe des Feldzugs aus Deutsch-land kommen lassen mußten, weil sie nur die berühmten Kartenhatten, welche von Sraßburg und Saarbrücken bis Königsberggingen; „denn" — schrieb man am 23. Juli aus Paris dem„Nouvelliste de Roueu" — „der Kaiser soll im Laufe des Abendszu einigen Generalen, welche sich wegen des bevorstehenden Kriegsbeunruhigten, gesagt haben: „„Meine Herren, ich werde den Frie-den in Königsberg unterzeichnen."" Welches auch die Authenticitätdieser Worte sei, so bestätige ich (setzt der Berichterstatter hinzu),daß sie seit gestern Abend in allen militärischen Kreisen dieRunde machen."
Um nur eiu Beispiel von der boshaften Verrücktheit zu gebe,:,mit welcher diese Hetze betrieben wurde, sei hier eiu Actenstück ein-