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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Sie gefälligst nach mir fragen. Ich habe auf die Polizei geschrieben hingeschickt nichts hilft! Ich muß ohne Säumen fort. Ihreewig dankbare M. E. S."") Hr. N., Korrespondent einer öster-reichischen Zeitung, seit drei Jahren paralyfirt, mußte sich ebenfallsfortschaffen lassen. Die Mutter des Malers K. mußte, obgleichauf den Tod krank, weggebracht werden und starb auf dem Wegezur Eifenbahn. Deutsche, die als Kinder nach Frankreich gekommenwaren, gar keine andere Heimath mehr besaßen, mußten fort.Man ließ Vielen nicht einmal die Zeit, ihre Einlagen aus derSparkasse zu holen. Der normale Fall, einer der günstigeren, warfolgender. Ich lasse den Betreffenden selbst sprechen, wie er mirohne die geringste Animosität, mit der Absicht, sobald als möglichnach Paris zurückzukehren, harmlos und einfach die Geschichte fei-ner Vertreibung erzählt hat:

Ich heiße H. W., bin 32 Jahr alt, aus dem Großherzog-thum Baden gebürtig und wohne seit sieben Jahren in Paris . Ichkam als Werkführer zuerst in ein Parfümeriegeschäft in Pantin ,heirathete im verflossenen April die Tochter meines Patrons, desfranzösischen Parfümeurs in der Straße St. Denis. Als nachSedan Trochn's Befehl erging, daß Deutsche nur gegen persön-liche Aufenthaltsbewilligung bleiben dürften, erhielt ich eiue solchevom Polizeieommissär meines Viertels. Darauf erschien ein zweiterBefehl Trochu's, der nochmals einschärfte: es müsse binnen dreiTagen fort, wer nicht von der Regierung selbst eine besondere Er-laubniß auswirke. Ich begab mich auf die Polizeipräfectur. Da-selbst war eine Verordnung angeklebt, nach der jeder Deutsche, derbleiben wolle, eine Bürgschaft stellen müsse in Person von drei no-tablen Angesessenen. Ich verschaffte mir die drei Bürgen. An

Niemand hat seitdem ermitteln können, was aus der Aermsten geworden.