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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
76
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denselben Abend neuer Erlaß des Polizeipräfeeten Köratry: daßalle Deutschen binnen 24 Stunden fortmüßten. Wiederholt begabich mich auf die Präfeetur in Begleitung meines Schwiegervatersund meiner Bürgen. Ich erhielt eine neue, vollständig ausgefertigteErlaubniß zum Bleiben, vom Oberseeretär Ksratry's, Hrn. Bar-tholy, unterzeichnet. Das war am 6. Sevtbr. Am 11., einemSonntag, waren wir bei der Großmutter meiner Frau in MaifonLaffitte gewesen und hatten dieselbe mit uns in die Stadt ge-bracht. Nach Hause gekommen, begeben wir uns ermüdet zu Bette.Da reißt es Nachts um 12>/» Uhr an der Klingel. Es ruft:Oeffnct, in? Namen des Gesetzes!" Ich werfe rasch ein Kleidungs-stück um und öffne. Hereinstürzen ein Commissär und fechs MannNativnalgarde. Ersterer herrscht mich an: Haben Sie eine Er-mächtigung, in Paris zu bleiben? Ja wohl! So zeigen Sieher. Ich Präsentire meinen Schein. Er schiebt ihn in seineTasche, ohne nur einen Blick hineinzuwerfen. Nun gab er feinenLeuten Befehl, alles zu durchsuchen. Meiue sämmtlichen Effectenund Möbel wurden geöffnet und durchwühlt, alle meine deutsch ge-schriebenen Briefe weggenommen, ebenso ein kleiner Revolver. Dasalles ging in Gegenwart meiner vor Schreck halb todten Frauvor, die in gesegneten Umständen war und in demselben Zimmerim Bette lag. Man verhaftete mich nun und führte mich trotzalles Flehens weg. Es war eine jammervolle Seme, wie meineFrau uud die alte Großmutter klagten, als ich ohne jede Erkläruug,vhue jeden Verzug, mitten in der Nacht von ihnen weggerissenward. Unten an der Thüre warteten noch 30 Mann National-garde, umringt von einein Volkshaufen. Von allen Seiten riefesLlsxion prnssien" ohne den Schutz der Wache hätte michdie Menge sicher todt geschlagen. Zuerst brachte man mich aufden Posten des Boulevard Bonne Nouvelle. Hier ward ein Pro-