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tokoll aufgenommen, in dem es hieß, man habe Waffen bei mirentdeckt, und ich sei ein gefährlicher Mensch. An diesem Postenstanden noch mehrere Zcllenwagen, alle mit auSgehobenen Deutschenangefüllt. Man schob mich auch in einen, und nun ging es nachder Präfectur. Alle Straßen ertönten vom Lärm der National-garden und Zellenwagen, die solche Gefangene einbrachten. In derPräfectur angekommen, wurden wir reibenweise im Hofe aufgestellt.Viele waren nur aufs dürftigste mit dem Nachtkleide bedeckt, indem sie aus dem Bette gerissen worden. Als ich mit meinem Nach-bar ein Wort sprechen wollte, herrschte mich der Aufseher an:„Maul halten, da hinten!" Nun kam die Reihe an mich vorge-führt zu werden. Von allen Seiten rief es um mich her: „Dasist ein rechter, der kommt auch nicht wieder heraus; ja er kommtheraus, aber um gehenkt zu werden." Man durchsuchte mich, nahmmir Geld und Uhr ab und schickte mich in Zelle Nr. 86. Ichwar noch glücklich. Viele Hunderte kamen in eine Art von großenStall auf Stroh. Vergeblich reclamirte mich mein Schwiegervater,der sich in seiner Uniform als Nationalgardist auf die Präfecturbegab. Sechs Tage hielt man mich in der Zelle eingesperrt. Nurzweimal gelang es meinem Schwiegervater, mir durch die Lukeeinige Worte zu sagen. Am sechsten Tag erklärte man mir, daßich über Rvuen fort müsse, und ließ mich unter Begleitung vonzwei Agenten noch auf eine Stunde nach Hause gehen. In derfolgenden Nacht ward ich dreimal aus meiner Zelle geholt, umweggebracht zu werden, und dreimal wieder hineingeschickt. Zugleichamüsirten sich die Nationalgardisten der Wache, mich auf jede er-denkliche Weife zu foltern und zu hänseln. Ich wandte ihnen denRucken. „Ah, er kehrt den Rücken; schon gut, er wird ja füsilirt— nein, man soll ihn an den Füßen aufhängen." Endlich zumviertenmal ward ich in den Hof geführt, um mit vielen andern in