Druckschrift 
Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

einem Zellenwagen zur Eisenbahn transportirt zu werden. Hiererlebte ich etwas Gräßliche?. Ein Deutscher, ein kranker alter Mann,wand sich verzweifelt an der Erde. Er hatte nichts auf dem Leibals ein Hemd und ein Nachtcamisol. Er rief auf französisch:Ichbin 64 Jahre alt, wohne seit S4 Jahren in Frankreich , ich bin miteiner Französin verbeirathet, ich habe zwei Söhne in der französischen Armee." Händeringend fiel er auf die Kniee und bat ihn da zulassen. Aber nichts half. Er fiel in Ohnmacht; der Commandantschrie:Man bringe ihn weg." Nun bekam er einen furchtbarenNervenanfall. Man legt ihn an die Wand, schüttet ihm eiuenEimer Wasser über den Kopf. Er bleibt unempfindlich. Eineröffnet ihm den Mund und ruft:Ich denk' er ist fertig" ^'«z ordisyu'il c-st üni). So verließ ich den Unglücklichen, als man michin den Zellenwagen schob. Wahrscheinlich ist er gestorben. DieseSchreckensseene und die Wildheit der Umgebung wird mir nie ausdem Gedächtniß schwinden. Es war entsetzlich. Bis zum letztenAugenblick wurde ich aufs roheste behandelt. Der Eisenbahnzugwar vollgepfropft mit Leidensgefährten. Jeder hatte von andernMißhandlungen zu erzählen. Zwei Wagen waren ganz angefülltmit Frauen. Eine derselben war am Sonntag auf dem Spazier-gang vom Arin ihres Mannes weggerissen worden. Ich trafunter andern auch den zweiten Diener des deutschen Hülfsvereins.Man hatte zuerst ihn verhaftet, später auch seine Frau und Kindervertrieben, er wußte nicht, was aus ihnen geworden war. SeinHauseigenthümer in der Rue d'Allemague (wo die unbemitteltenDeutschen wohnten) hatte ihn und seine Möbel auf die Straße ge-worfen, wo er vom Pöbel die ärgsten Mißhandlungen zu erduldenhatte. Drei Tage lang hielt man ihn auf dem Posten gefangen,wo er unter den Augen seines Miethsherrn, der zugleich Offizierin der Nationalgarde ist, die ganze Zeit über mit Kolbenstößen