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einerseits, des starken Sinkens der Schiffsfrachten andererseits.
Während der G.rofsbetrieb in der deutschen Landwirtschaft seit3—4 Jahrzehnten ständig steigende Erträge gebracht batte,wandte sich jetzt das Blatt, und wer in der Erwartung der Fort-dauer dieser Entwicklung gröfsere Landgüter zu stark gestiegenenPreisen gekauft oder gepachtet hatte, vermochte eine angemessene **•
Verzinsung seines investierten Kapitals oder eine Deckung derPachtsumme nicht mehr herauszuwirtschafteu. Standen die Land-wirte auch anfangs der Frage der Getreidezölle skeptisch gegen-über, so schwenkten sie doch unter der Einwirkung der mäch-tigen Persönlichkeit Bismarcks und der lebhaften Agitation der„Steuer- und Wirtschaftsreformer“ bald ein. Den industriellenSchutzzölluern waren zwar die Getreidezölle wenig erwünscht, dasie ihre Rückwirkung auf die Arbeiterlöhue fürchten mufsten, ,
aber sie nahmen sie in Kauf, da sie nur damit die von ihnengewünschten Industriezölle erlangen konnten. Für diese alleinwar im Reichstag keine Mehrheit.
Der Getreidezoll war mit 0,5 JL pro 100 kg von der Regierungvorgeschlagen worden, er wurde vom Reichstag auf 1 Jl erhöht.
Die Befürchtung, man werde ihn schrittweis weiter bis auf 3 Jlsteigern, wies Bismark mit dem Wort zurück: „Auch der verrück-teste Agrarier werde nie an einen Getreidezoll von 3 Jl denken.“
Aber noch unter ihm wurde 1885 der Zoll für Roggen und Weizenauf 3 Jl, 1887 auf 5 Jl, für Hafer auf 4 Jl, für Gerste auf 2,30 Jlerhöht.
Entgegen den Prophezeiungen der Freihändler kam der Zollnicht immer im Preis des Getreides zum Ausdruck. So stand bei-spielsweise Weizen in den Jahren 1885 — 1888 in Berlin im Jahres- ;',I
durchschnitt nur um 7,46 Jl, 5,86 Jl, 12,36 Jl und 22,17 Jl pro thöher als in London , trotzdem der Zoll 30 Jl, in 1887 und 1888sogar 50 Jl pro t betrug und überseeischer Weizen sich infolgeFracht und Spesen in Berlin um ca. 5 Jl pro t teurer stellt als