Die Agrarzölle und die landwirtschaftliche Entwicklung-.
Die deutsche Schutzzollpolitik kam 1879 durch das Bünduisvon Grofsindustrie und Grofsgrundbesitz zur Herrschaft. Derhauptsächlich den Getreidebau kultivierende landwirtschaftlicheGrofsbetrieb war so lange freihäudlerisch, als Deutschland einGetreide ausführendes Land war. Das änderte sich in den70 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als mit der zunehmendenindustriellen Entwicklung der Geburtenüberschufs im Inland Ver-wendung zu finden vermochte. Nachdem auch die iunerpolitischenVerhältnisse mit der Gründung des Reiches eine wesentliche Besse-rung erfahren hatten, liefs die Auswanderung aus politischenGründen, die in früheren Zeiten namentlich in den 50er Jahreneinen grofsen Umfang gehabt hatte, nach.
Die Bevölkerung im Umfang des heutigen Reichsgebiets warim Jahrzehnt 1850—1860 nur von 35,3 Millionen auf 37,6 Millionend. i. um 2,3 Millionen Köpfe gestiegen; im folgenden Jahrzehntbetrug die Zunahme 3,2 Millionen Seelen, 1870—1880 dagegentrotz der nachteiligen Einwirkung des Krieges bereits 4,1 MillionenKöpfe, und damit war eine Bevölkerungsdichte erreicht, dafs selbstin Jahren guter einheimischer Ernte die Getreideeinfuhr die Aus-fuhr überwog.
Diese Wandlung in der deutschen Getreidebilauz traf zu-sammen mit einem beträchtlichen Sinken der Weltmarktpreise fürGetreide infolge der Erschliefsung der jungfräulichen Böden dermittleren Gebiete der Vereinigten Staaten durch Eisenbahnen