Strome geträumter Prosperität rüstig mit, im Jagen nach raschem,mühelosem Erwerh den soliden Sinn für Arbeit auf lange, oft aufimmer einbüssend. So wird in immer weitere Kreise der Keimkünftiger materieller und moralischer Fäulniss hineingetragen, wäh-rend äusserlich Alles glänzt und gleisst, und der oberflächliche Beob-achter eine ungeheure Reichthumsvermehrung der Nation in denzahllosen neuen Unternehmungen, im Steigen der Preise und Course,in den grossartigen Umsätzen der Börse anstaunt.
Das geht dann so fort, bis die Speculation im Uebermaass ihrEnde findet, bis die zurückgeschobenen Verbindlichkeiten an die Thürpochen und befriedigt sein wollen, bis die überhoch geschraubtenPreise der Erzeugnisse den Consum unter das gestiegene Productions-quantum herabdrücken, bis die gesteigerten Productionskosten dieConcurrenzfähigkeit mit dem, von der Specnlationskrisis unberührtgebliebenen Ausland in empfindlichster Weise beeinträchtigt haben.
Eine Zeitlang sucht noch einer den andern über die Sachlagezu täuschen, um Zeit zu Realisationen zu gewinnen. Allein dasDrängen zum Verkauf oder zur Erlangung der nöthigen Mittel fürDeckung der fällig werdenden Verbindlichkeiten durchbricht balddie schwachen Schranken, welche den Rückzug aufhalten sollten.In gleicher Uebertreibung wie der frühere Optimismus, tritt der gleichschädliche Pessimismus die Herrschaft an. Palliativmittel, welchedie Regierungen mitunter in diesem Stadium zu ergreifen pflegen(wie z. B. die österreichische Regierung durch Erweiterung der Bank-notenausgabe), bleiben wirkungslos; Rath und Belehrung fallen aufunfruchtbaren Boden. So blind früher die ewigen Grundsätze wirth-schaftlieher Production verkannt, Preis und Werth, Schein und Wesenverwechselt wurden, ebenso blind verleugnet man jetzt den Glaubenan jede Wiederkehr normaler, gesunder Zustände, gleichsam als seiendie wirtschaftlichen Zustände für immer aus den Fugen gewichen,als seien die Gesetze des Werthes vernichtet. Die allgemeine Mei-nung der Menschen, oh wahr oder falsch, beherrscht aber unwider-stehlich die volkswirtschaftliche Thätigkeit des Einzelnen oder trübtdoch durch ihre Einflüsse den klaren Blick. Wie man früher diePreissteigerungen für Werthsteigerungen, für Reichthumsvermehrungenhielt, so weiss man jetzt, im Hinabsteigen, das wirkliche Werthniveaugar nicht mehr aufzufinden. Während man früher Sachen weit überden Werth bezahlte, Anlagen zu einer Zeit in’s Leben rief, wo diegestiegenen Materialpreise, Löhne, Gründergewinne u. s. w. die Er-werbs- und Baukosten auf’s Doppelte steigerten, folglich den Keim