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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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scheinung leider zeitweise verdunkelt. Wenn A. ein Werthpapier,ein Haus oder dergl., das bisher 10,000 M. werth war und über-haupt im eigentlichen Werth gar nicht gestiegen ist, für 20,000 ver-kauft, so vermag B. dasselbe vielleicht an C. für 30,000, C. an D.für 40,000 zu verkaufen u. s. w., so dass für die Dauer der Hausse-periode der folgenschwere Irrthum Platz greift, als gewännen Alle,als fände ein allgemeines und reelles Steigen des Volkswohl-standes statt, als sei das Spiel in der That produktiv. Zehn Ver-käufer eines Werthobjects mögen hintereinander aus dem immerfortsteigenden Preise gewinnen; allein die entsprechenden Verlierer stellensich unfehlbar ein, sowie der durch die Speculation künstlich empor-geschraubte Preis auf dem Höhepunkt angelangt ist und nun mitNaturnothwendigkeit auf sein richtiges Wertlmiveau zurückgeht. Beiden Waareupreisen kann der Zusammenhang zwischen Werth undPreis, zwischen Nachfrage und der Möglichkeit ihrer Befriedigungunmöglich so vollständig abreissen, als bei der Fondsspekulation, fürdie in der Nachfrage, also auch in der Preissteigerung, gar keineSchranken gesetzt sind.

Wenn nun die Kreise der Spieler und Fondsspeculanten sichauf sich selber beschränkten, sich gegenseitig in Credit, Franzosenoder Lombarden, wie im Roulettespiel das Geld aus der Taschenälynen, so würde der wirtksckaftlicke Schaden nach aussen nochnicht so stark empfunden werden. Allein je höher die Haussekrisissteigt, je allgemeiner wird die Einmischung der Speculation in dieeigentlichen Gebiete des wirthschaftlichen Lebens, welche nur derInitiative des Handels- und Gewerbestands und dessen wirklich er-zielten Ersparnissen Vorbehalten sein sollten. Banken, Fabriken,Unternehmungen aller Art werden von Spekulanten hervorgerufen,nicht aus Rücksicht auf einen nachhaltigen Gewinn aus der Unter-nehmung selbst, sondern auf den Gewinn, der bei der Gründung, seies im Preis der eingesetzten Objecte, sei es im Cours der Actien, zumachen ist. Die ganze Basis, aus der in normalen Zeiten die Unter-nehmungen hervorgingen, also die ruhige Erwägung der Geschäfts-kundigen, wie sich die faktisch vorhandenen Ersparnisse aufdie dauernd vortheilhafteste Weise in neuen Anlagen oder Ver-grösserungen anlegen Hessen , wird verrückt, und dem soliden Ge-schäftsmann eine unnatürliche und unsolide Concurrenz aufgedrängt,die ihm, nach erfolgtem Rückschlag, auf lange Zeiten hin den recht-mässigen Gewinn verkümmert. Leider lassen sich auch viele Ge-schäftsleute in die Speculation hineinziehen und schwimmen in dem