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Wahrscheinlich stehen wir gegenwärtig (November 1875) soziemlich auf der untersten Stufe der kritischen Bewegung und dasnächste Jahr, 1876, dürfte den Kreislauf der Krise abschliessen undbessere Verhältnisse für den Waaren- und Creditmarkt heraufbringen,selbstverständlich nach Abschreibung aller unwiederbringlichen Ver-luste und unter Voraussetzung eines Fernbleibens störender Einflüssevon aussen. Für die Statistik fehlen also zur Zeit noch die Ertrags-Resultate des bedeutungsvollen Jahres 1875. Es lässt sich indessschon heute bestimmt voraussehen, dass, dem weiteren Rückgang inden Coursen entsprechend, auch die Dividenden noch weiter sinkenwerden, als im Jahr 1874. Schliessen wir aber auch die Dividenden-Ermittlung schon mit dem Jahre 1874, so ergeben sich daraus bereitshöchst interessante Vergleichungsmomente. Wir wollen dieselben,ohne auf absolute Vollständigkeit und Genauigkeit Anspruch zu machen,an der Hand des Courszettels der Berliner Börsenzeitungverfolgen, und wird sich daraus einmal der Unterschied in der wirth-schaftlichen Physiognomie der Gesellschaften vor und nach derGründerperiode, und zum andern der Umfang der Verheerungen an-nähernd ersehen lassen, welche der Aktienunfug angerichtet hat*).
I. Wir scheiden zunächst die Versicherungs-Gesellschaftenvon der näheren Erörterung aus, weil einmal ihre Dividenden nichtvon wirthschaftlichen Krisen, sondern von Zufällen, Brandunglück,Sterblichkeit, Hagelschlag u. s. w. beeinflusst werden, und weil zumandern die professionellen Gründungen dieses Gebiet nur gestreifthaben. Die meisten dieser Gesellschaften sind alten Datums undstehen in bestem Flor. Die vor Ende 1870 gegründeten, an derBerliner Börse notirten 37 Versicherungs - Gesellschaften mit etwa55 Milk Mark eingezahltem Capital (ohne Berücksichtigung also derin Sola-Wechseln niedergelegten Rest-Einzahlungen) gaben im Durch-schnitt**) an Dividenden:
*) In der Anlage sind die Zusammenstellungen abgedruckt, worauf siebdie nachfolgenden Durschnittsberechnungen gründen; die ausserdeutschen Ge-sellschaften sind weggelassen worden. Zwischen den Kommanditgesellschaftenauf Aktien und den wirklichen Aktiengesellschaften ist kein Unterschiedgemacht.
**) Statt „Durchschnitt“, wobei die verschiedene Kapitalhöhe in Rech-nung gezogen wird, müsste es richtiger heissen „ arithmetisches Mittel“.Wir haben letztere Berechnungsweise vorgezogen, einmal weil sie charakte-ristischere Zahlen liefert, indem sie den Durchschnitt aus der Dividende allerGesellschaften — oh gross oder klein — zieht, zum andern weil liier dem sta-tistischen Vergleich der einzelnen Zeichen unter einander, also dem Relativ-