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Actionären, welchen die allgemein wirthscliaftliclien Interessen gleich-gültig sind. Nicht ein gesundes, lebendiges Glied in der Organisa-tion des Credits, sondern ein gährender Krankheitsstoff, welcher diebefruchtende Wirkung in ihr Gegeutheil verwandelt, welcher den Cre-dit nicht der Arbeit, sondern dem Spiel dienstbar macht, — das istdie Banknote.
Was der Gottesbegriff für die Welt des Geistes, das ist derWerthbegriff für die materielle Welt; alle wirthschaftliehe Wahrheitgeht von ihm aus und kehrt zu ihm zurück. Wir messen den Werth,innerhalb der Bedingungen irdischer Unvollkommenheit, am Maass-stabe des Geldes. Dieser Maassstab aller wirtbschaftlichen Grössenund Regulator aller wirtbschaftlichen Bewegungen sollte um so heili-ger, unverletzlicher sein, als die Preise der Dinge ohnedies in einemfortwährenden, unvermeidlichen Schwanken über und unter das Ni-veau des Wertkes begriffen sind. Schwankt nun auch der Geld-werth, der Maassstab, so schwankt Alles, so hat das wirthschaftlieheLeben allen Halt verloren. Dies zeigt Oesterreich so recht. Nichtder Schwindel einiger Jahre, sondern die seit Jahrzehnten, durchdie ewigen Schwankungen des Werthmessers erzeugte, und natur-gemäss in speculative Strömungen auslaufende wirthschaftliehe Un-sicherheit hat dorten die Krisis chronisch gemacht. Die Schwan-kungen des Werthmessers sind das eigentliche Fahrwasser desSchwindels. — Und welcher Widerspruch! hier, in den Münzgesetzen,die peinlichste Sorge den nominellen Werth des Geldes mit seineminneren, durch Arbeit geschaffenen Werth in Uebereinstimmung zuhalten, dort, in den Bankprivilegien, ein Preisgeben des Geldwerthesund damit aller Werthbestimmung an die Privatinteressen von Actio-nären und die zufällige Einsicht von Bankdirectoren! Man unter-stellt einen Parallelismus der Privat- und der allge-meinen Interessen, w'ährend in der That der vollstän-digste Gegensatz stattfindet.
Wir behaupten also, dass der gesunde Aufschwung von Handelund Verkehr die erforderlichen reellen Cirkulationsmittel stets vor-findet oder sich, wie jedes andere materielle Bedürfniss, beschafft,somit der Banknoten nicht bedarf. Wo sie in deren Gebiet hinein-gedrängt oder hineingerufen werden, da dienen sie, oder, was das-selbe ist, das durch sie ersetzte Geld, nur der Speculation, den un-fruchtbaren Umsätzen. Sicherlich kann man auch baares Geld schlechtund unfruchtbar anwenden; diese Frage hat mit dem Streit zwischenMetall und Banknoten gar nichts zu thun. Allein es stört doch nie