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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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als ein vom Himmel gefallener Zuwachs der Produktivkräfteangesehen, während es nur eine Verschiebung der vor-handenen ist, durch welche sich umgekehrt die Produktiv-kraft genau um so viel vermindert, als die Preise der Fa-brikate durch den Schutzzoll künstlich gesteigert, als Kapitalund Kraft natürlicheren und fruchtbringenderen Verwen-dungen entzogen wurden, die ihnen nach jeder Richtungoffen standen.

3. Und auf dem tiefsten Grunde ruht der Irrthum einer einge-bildeten, in Wirklichkeit nicht existirenden Solidarität derPrivatwirthschaften im Staate. Man spricht von einemnationalen System der Volkswirtschaft. Wenn freier,ungehinderter Verkehr zwischen zwei Orten des InlandsBeiden Nutzen schafft, und dies leugnet Niemand, so solldies in Nachtheil Umschlagen, wenn eine politische Gränzezwischen beiden hindurch gezogen wird? Weshalb denn?fragen wir. Was hat die Steuer- und Rechtsgemeinschaftinnerhalb des Einzelstaates mit der Frage zu thun, wo manam besten kauft, wohin man am besten verkauft? Diegeographische Nähe, die geringeren Transportkosten knüpfendas näher zusammen liegende fester zu gegenseitigem Aus-tausch zusammen, als das weiter von einander entfernte.Mit diesem Naturgesetz, womit die politische Staatenbildunggar nichts gemein hat, treten die Zölle in Kampf, indemsie um ihren Betrag, in Transportkosten übersetzt, das Zu-sammenliegende, durch die privatwirthschaftliche Gravitationnaturgemäss auf einander angewiesene, künstlich von ein-ander entfernen. Und da, wie wir schon oben sagten, Nie-mand etwas kauft, das ihm nicht mehr werth ist, als dasGeld, welches er dafür giebt, und Niemand verkauft, wennihm das Geld nicht mehr werth ist, als die Waare, die erdafür giebt, so ist der Schaden aus den Zöllen ganz gleich,oh sie diese oder jene Verkehrsrichtung henachtheiligen, obalso die eignen Schutzzölle den Kauf (Einfuhr), oder diefremden Schutzzölle den Verkauf (Ausfuhr) treffen. Diefremden Schutzzölle halten unser Kapital von naturgemässenAnlagen ah; die eignen Schutzzölle führen es in naturwidrigeAnlagen hinein. Allein Ersteres lässt sich, nach Aufhebungder fremden Zölle, doch nachholen; das Kapital aber, welchesunsere eignen Zölle in naturwidrige Anlagen getrieben haben,