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Verhältnisse zusammenwirken. Der Rückgang der relativenSterbezahl beweist also, dass Deutschlands Bevölkerung, dieheute um ein Drittel grösser ist als vor fünfundzwanzigJahren, auch um vieles kräftiger ist als noch vor wenigenJahrzehnten.
Der grosse Bevölkerungszuwachs hat während derletzten 25 Jahre mehr und mehr innerhalb des deutschenReichsgebiets selbst Unterkunft gefunden. Die Auswan-derung, die in den 80er Jahren des vorigen Jahrhundertsnoch gewaltige Ziffern erreichte, hat fast bis zur Bedeutungs-losigkeit abgenommen. Die Entwicklung wird erst in vollemUmfang klar, wenn man die Anzahl der Auswanderer demGeburtenüberschuss gegenüberstellt. Im Jahrzehnt 1881/90betrug bei einem Geburtenüberschuss von insgesamt 5,5Millionen die Zahl der deutschen Auswanderer 1342000;im folgenden Jahrzehnt standen einem Geburtenüberschussvon 7,3 Millionen nur noch 528 000 Auswanderer gegen-über; im Jahrzehnt 1901/10 betrug der Geburtenüberschuss8 3 /s Millionen, die Zahl der Auswanderer schrumpfte auf220000 zusammen. Im Jahre 1912 betrug die Zahl derdeutschen Auswanderer nur noch 18 500. Berücksichtigtman gegenüber der Auswanderung aus Deutschland auchdie Einwanderung nach Deutschland , so wird das Bild umeinen weiteren Zug verstärkt; während Deutschland früherstets einen mehr oder weniger erheblichen Ueberschuss derAuswanderung über die Zuwanderung hatte, überragt seit derMitte der neunziger Jahre die Zuwanderung: Deutschland wird aus einem Auswanderungsland ein Einwanderungsland.
Alles dies bestätigt, dass in den letzten Jahrzehnten diewirtschaftlichen Möglichkeiten in Deutschland slärker ge-wachsen sind als die Bevölkerung. Der Bedarf an Arbeits-kräften, die lohnende Arbeitsgelegenheit ist der starken Ver-mehrung der Volkszahl noch vorausgeeilt