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in dem Deutschland gerade in den letzten fünfundzwanzigJahren die grössten Erfolge erzielt hat. Unser Kaiserhat den Wissenschaften, denen Deutschlands wirtschaftlicheEntwicklung so unendlich viel verdankt, stets ein hervor-ragendes Interesse und eine tatkräftige Förderung zuge-wendet; zahlreiche und wichtige Anregungen im einzelnenentsprangen seinem ausgeprägten Verständnis für den indem wissenschaftlichen Urgrund gegebenen grossen Zu-sammenhang der technischen Errungenschaften. Ihre voll-kommenste Verkörperung findet diese auf das Ganze ge-richtete verständnisvolle Förderung in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der ein besonderer Abschnitt dieses Gedenk-werkes*) gewidmet ist. In welchem Masse die Entwicklungder Technik in dem ersten Vierteljahrhundert der Regierungs-zeit unseres Kaisers die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutsch-lands beeinflusst und umgestaltet hat, ist in einzelnen Ab-schnitten des Gedenkwerkes**) eingehend geschildert. Andieser Stelle soll nur versucht werden, in gedrängter Formeinen zusammenfassenden Ueberblick zu geben.
Die Entwicklung der physikalischen Wissenschaft,insbesondere die Vervollkommnung der Kenntnisse der Be-wegungsgesetze, hatte die bereits im 18. Jahrhundert ein-setzende Entwicklung der Arbeitsmaschinen zur Folge ge-habt (Spinnmaschinen, mechanischer Webstuhl, Förder-maschine, Pumpen etc.). Aber erst durch die Nutzbar-machung neuer motorischer Kräfte, zunächst des Dampfes,dann der Elektrizität und schliesslich der Explosionskraft,erhielt die Verwendbarkeit der Arbeitsmaschinen und ihreweitere Ausbildung den entscheidenden Antrieb. Die Er-
*) v. Simson, Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung derWissenschaften S. 79 ff.
**) Raps, Elektrizität S. 95 ff. — Lepsius, Chemie S. 127 ff.