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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
Entstehung
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Insbesondere gewannen neben der Dampfmaschine dieWasserkräfte als Kraftquelle eine neue Bedeutung. DieWasserkraft ist nicht transportabel wie die Kohle, die zumZweck der Erzeugung von Dampfkraft von der Produktions-stätte aus überall hin versandt werden kann, wobei einzigund allein das wirtschaftliche Moment der Transportkosteneine Grenze zieht. Die Wasserkräfte müssen also an Ortund Stelle in wirtschaftlich verwertbare Energie umgesetztwerden, und hierfür liegt über die an Ort und Stelle mög-liche Verwertung hinaus eine Möglichkeit erst vor, seitdemin der Form des elektrischen Stromes die Energie selbsttransportabel geworden ist.

Die elektrische Kraftübertragung hat ausserdem die in-tensive Ausnutzung von Brennstoffen ermöglicht, die vorherüberhaupt nicht oder nur zu einem geringen Teil nutzbargemacht werden konnten. Das gilt zunächst von gering-wertigen Brennstoffen, die als solche den Transport übergrössere Strecken nicht lohnen, wohl aber an Ort und Stellemit Nutzen zur Herstellung von Dampf verfeuert werdenkönnen, seitdem die Möglichkeit besteht, die auf diesemWege gewonnene Kraft mit geringen Kosten auf grössereEntfernungen zu übertragen.

Vor allem aber hat die Möglichkeit der elektrischenKraftübertragung in Verbindung mit der Entwicklung derGaskraftmaschine ausserordentliche Ergebnisse gezeitigt.Durch die Gasmotoren ist zunächst das bei der Kokserzeu-gung gewonnene Gas, das zunächst nur als Leuchtgas Ver-wendung gefunden hatte, auch zu Kraftzwecken nutzbar ge-macht worden. Der Gasmotor hat dann die Möglichkeitgegeben, auch andere Gase von geringerem Heizwert, wiedie Abgase von Hochöfen, in rationeller Weise in Energieumzusetzen; im letztverflossenen Jahrzehnt hat die Aufstellungvon Gross-Gaskraftmaschinen bei den Eisenwerken gewal-