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gedehnten deutschen Eisenerzvorkommen sind zu einemgrossen Teil phosphorhaltig. Diese Eigenschaft wurde langeals ein schwerer Nachteil empfunden; denn die verschiedenenVerfahren zur Aufbereitung des Eisens, insbesondere der inden 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Aufnahme ge-kommene Bessemerprozess, gestatteten nur die Verwertungvon nahezu phosphorfreiem Material. Durch das in den 70erJahren erfundene Thomas-Gilchrist-Verfahren, über das gleichNäheres zu sagen sein wird, wurde die Entphosphorung desEisens möglich mit der Nebenwirkung, dass die den Phos-phor aufnehmende Schlacke, die „Thomasschlacke“, dasMaterial für einen ausgezeichneten künstlichen Dünger, das„Thomasmehl“, lieferte. Das Thomasmehl wird seither ingewaltig steigenden Mengen in Deutschland verwendet.
Auch in der Zuführung des nötigen Stickstoffes an denBoden sind grosse Fortschritte erzielt worden, vornehmlichdurch die Gewinnung von Kalkstickstoff aus der atmo-sphärischen Luft, die durch die Entwicklung der Elektro-technik ermöglicht worden ist; daneben aber durch die Ge-winnung von Ammoniak als Nebenprodukt aus dem Hoch-ofenprozess und aus der Vergasung von Torf und Braunkohle.
Mindestens im gleichen Masse wie die Landwirtschafthat die Industrie aus den Fortschritten der chemischenWissenschaft Vorteil gezogen.
Von den Verbesserungen in der Aufbereitung des Eisenswar schon andeutungsweise die Rede. Während der Auf-bereitungsprozess bis weit in das 19. Jahrhundert hineinausschliesslich auf Empirie beruhte, sind die grossen undentscheidenden Verbesserungen, die seither eingeführt wordensind, so gut wie ausschliesslich der erweiterten wissenschaft-lichen Einsicht zu verdanken, insbesondere der Erforschungder Verbindungen des Eisens mit Kohlenstoff. Der Ueber-gang von der Holzkohle zur Steinkohle und zum Koks im