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und Land, in der beruflichen und sozialen Gliederung, inden Vermögensverhältnissen — haben Spannungszuständeerzeugt, die in der gärenden Unrast unserer Zeit auf allenGebieten des Gemeinschaftslebens zutage treten. Währendunsere Nation als Ganzes in wirtschaftlicher Kraftentfaltungdas Höchste leistet, sehen wir die Grundlagen der sittlichenund körperlichen Gesundheit grosser Volksteile durch ebendiese Entwicklung bedroht, sehen wir das einheitliche Zu-sammenwirken, das uns gross gemacht, durch Klassenkampfund Klassenhass gefährdet, sehen wir vielfach an Stelle derzähen Arbeit schlaffes Wohlleben, an Stelle der strengenSparsamkeit sinnlose Verschwendung und herausforderndenLuxus, an Stelle der Opferbereitschaft und PflichterfüllungBegehrlichkeit und Genusssucht. Dies alles, während unserAufstieg uns in der Aussenwelt neben Anerkennung undBewunderung auch Neid und Eifersucht geweckt hat, undwährend der sich verschärfende Wettbewerb mit den anderenwirtschaftlichen Grossmächten, zusammen mit der zunehmen-den Verflechtung unserer Volkswirtschaft in der Weltwirt-schaft, uns zwingt, alle Kräfte anzuspannen, um das Erreichtezu behaupten, zu schützen und weiter auszubauen.
Es ist eine Fülle verantwortungsschwerer Aufgaben, diewir neben all den grossen Errungenschaften an dem Ge-denktage unseres Kaisers in die Zukunft mit hinübernehmen.Es gilt, gegen einseitige Entwicklungen Gegengewichte zuschaffen; es gilt, eine gewaltsame und zerstörende Entladungder aus einer raschen Ausdehnung und starken inneren Ver-schiebung unseres Volksganzen entstandenen Spannungen zuvermeiden und die tief gewordenen Gegensätze aus einemklaren Verständnis ihrer Ursachen und Folgen mit Vorsichtund Geduld, aber auch mit Festigkeit und Nachdruck einemAusgleich zuzuführen; es gilt vor allem, die sittliche undgeistige Weiterbildung des deutschen Volkes im Einklang zu