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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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umfangreichen Literatur sich dargestellt findet. Natürlich sindsieh in einzelnen Punkten auch die Bimetallisten unter einandernicht einig, aber im Grol'scn und Ganzen entspricht die nach-folgende Darstellung der Geschichtsauffassung desjenigen Bi-uietallisinus, der politisch allein eine Rolle spielt.

Die Engländer waren die erste Nation von Bedeutung, welchedie Goldwährung einführten. Es ist deshalb von ganz besondererWichtigkeit, welcher Art die Vorzüge waren, welche die Eng-länder zur formellen und gesetzlichen Einführnug der Goldwährung-bestimmten.

Dann Horton, ein amerikanischer Bimetallist, hat sich umdie Darstellung der englischen Währuugsgeschichte grofse Mühegegeben. Er hat ein grofses Buch geschrieben, welches den langenTitel trägt:The Silver pound and Eugland's monetary policysince the restoration together with the history of the guineaillnstrated by contemporary documents." Er kommt in diesemMuch zu dem Ergebnifs, dafs sich England bis zu der Papiergeld-periode, welche durch die napoleonischen Kriege verursacht wurde,einer Silberwährung erfreute, dafs es sich aber dann bei derWiederaufnahme der Maarzahlungeu durch die falschen Argumentedes Lord Liverpool verleiten liefs, ganz ohne jede Vorbereitungund jeden vernünftigen Grund an Stelle der Silberwährung diereine Goldwährung zu setzen. Das erste Auftauchen einer völlig

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ausgebildeten Goldwährung ist also nach Dana Horton auf einenvöllig überflüssigen und unmotivirteu Willkürakt zurückzuführen,zu welchem sich die englische Gesetzgebung durch die theo-retischen Schrullen eines Einzelnen hiureifsen liefs.

Es dauerte lauge, bis sich ein zweiter Staat bereit fand, dasenglische Beispiel nachzuahmen. Dem Deutschen Reich gebührtder in den Augen der Bimetallisten mehr als zweifelhafte Ruhm,als zweites in der Reihe der Völker den Uebergaug zur Gold-währung unternommen zu haben. Bekannt ist ja, in welcherWeise von den Bimetallisten die Gründe des deutscheu Währuugs-wechsels dargestellt werden. Vernünftige Gründe für den Ueber-gaug zur Goldwährung gab es nach ihnen überhaupt nicht. HerrMochussen, ein niederländischer Bimetallist, hat in seiner Schrift..Keichsgold und Weltgeld" ausführlich nachzuweisen versucht, dafsdie Regierung überhaupt keinen Beweggrund für die Annahme derGoldwährung gehallt habe, ja sogar, dal's die Goldwährung garuicht