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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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auf die Initiative der Regierung, sondern man wird die Schwere

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dieses Vorwurfes kaum hinreichend würdigen können auf dieInitiative des Reichstags zurückzuführen sei; dal's ferner dieserReichstag gleichfalls keine Gründe für die Goldwährung gehabt habe.

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sondern sich lediglich durch den Doktrinarismus von Leuten wieBamberger habe beherrschen lassen, denen jedes tiefere Verständ-nifs für die Währungsfrage abging. Das einzig Vernünftige wäre nachbimetallistischer Auffassung gewesen, Deutschland hätte im Jahre1871 die Doppelwährung eingeführt; aber damals war dasliberaleManchesterthum" auf der Höhe seiner Macht, und mit der Doktrindieser Weltanschauung vertrug sich die bimetallistische Idee, dafsman durch das Gesetz das Werthverhältnils der beiden Edel-metalle festlegen könne, sehr schlecht. Ausländische Schrift-steller haben diesen Darlegungen die boshafte Bemerkung hinzu-

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gefügt, durch die Erfolge des Krieges von 1870 sei Deutschland in eiuen gelinden Gröfsenwahn verfallen; diesem Gröfsenwahn seiauf einmal das bisherige deutsche Silbergehl zu schlecht gewesenund er habe nach Gold und nur nach Gold verlangt.

Der unmotivirte und frivole Üebergaug zur Goldwährung hatte immer nach bimetallistischer Darstellung die traurigsten

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Folgen für die Währungspolitik der ganzen Welt. Kleine Staaten,wie Schweden, Norwegen und Dänemark, wurden durch Deutsch-lands Vorgehen gleichfalls in die Bahnen der Goldwährung hineiu-gezwungen. Sie mnl'steu Deutschlands Beispiel wohl oder übelnachahmen. Das gröfste Unglück aber war die Wirkung, welchedie deutsche Münzreform auf Frankreich ausübte. Dieses Land,welches bisher, durchaus zufrieden mit der bestehenden Doppel-währung, mit eiserner Treue an diesem einzig richtigen Währungs-system festgehalten hatte, wurde durch Deutschlands Uebergangzur Goldwährung veraulafst, mit den Grundsätzen seiner bisherigenGeldverfassung zu brechen. Wäre Frankreich bei der Doppel-währung geblieben, so wäre es für Deutschland ein Leichtes ge-wesen, sein Silber in Frankreich ausprägen zu lassen und gegenfranzösisches Gold auszutauschen. Dadurch wäre ihm natürlichder Uebergang von der Silberwährung zur Goldwährung ausser-ordentlich erleichtert worden. Aber die Franzosen wollten diese..Tnvasion der preufsischen Thaler" nicht dulden, trotzdem ihreDoppelwährung darunter nicht im Mindesten gelitten hätte, undans purer Bosheit gegen Deutschland , um uns die Durchführung