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Um das Silber selbst bei grofsen Schwankungen der Marktrelationzu Gunsten des Silberwerthes in Zirkulation zu erhalten, mufstemau, wie der thatsächlicli vorhandene Silbernmlauf zeigte, dasSilbergeld von vornherein unterwertliig ausprägen; und um schließ-lich den Zahlungsempfänger vor der Notwendigkeit zu schützen,gröfsere Zahlungen in unterwerthiger Silbermünze annehmen zumüssen, mufste man die Zahlungskraft dieser Silbermünzen aufeinen nicht allzu hohen Betrag beschränken: kurz, man mufste inaller Form diejenige Geld Verfassung einführen, welche thatsächliclidamals bereits bestand, und welche wir mit einem Wort „Gold-währung" nennen. Als die napoleonischen Kriege überstandenwaren und das inzwischen zur Papierwährung geratene England die Wiederaufnahme der Baarzahlungeu beschlofs, da wurde imJahre 18](i die gesetzliche Goldwährung eingeführt.
So verhält sich die Sache in Wirklichkeit. Nicht Lord Liver-pool hat, wie Dana Horton behauptet, das System der Gold-währung frei erfunden, sondern die thalsächlich vorhandene Gold-währung, welche sich aus einer gesetzlichen Doppelwährung her-ausgebildet hatte, hat mit Notwendigkeit zu der Goldwährungs-theorie geführt. Die Goldwährung ergab sich mit unbe-dingter Nothwendigkeit aus dem Bestreben, beide Metallein einer ihrer Besonderheit entsprechenden WeisefHeichzeitig im Umlauf zn erhalten, nachdem und weil
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das bimetallistische System versagt hatte.
Begreiflicher Weise ist dieser Sachverhalt den Bimetallistenhöchst unbequem. Er spricht mit einer Deutlichkeit gegen dieDoppelwährung, welche keines weitereu Wortes bedarf und durchnichts verdunkelt werden kann. Deshalb suchen Leute wie DanaHorton den Thatbestand selbst zu verdunkeln, indem sie leugnen,dafs die gesetzliche Doppelwährung zur tatsächlichen Goldwäh-rung geworden war und indem sie aufstellen, dafs die gesetzlicheEinführung der Goldwährung auf die Verkehrtheit eines einzigenMannes, des Lord Liverpool , zurückzuführen, und dafs sie durchnichts vorbereitet und gerechtfertigt gewesen sei.
Diese Darstellung ist durch das Kalkmaun'sche Buch, wiedie obigen Ausführungen zeigen, gründlich widerlegt. Aufser-ordeutlich bezeichnend für die Gewissenhaftigkeit der bimetallisti-schen Geschichtsschreibung ist nun aber die Art und Weise, mitwelcher Dana Horton die Richtigkeit seiner Darstellung zu be-