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Zur Geschichte der Goldwährung / von Karl Helfferich
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als Barren zu verkaufen, denn auf diese Weise erhielten sie füreinen Silber-Schilling mehr als einen Schilling.

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Alle Bestrebungen, das englische Geldwesen zu reformiren,nraren verursacht durch den Maugel an Silbermünzen und derenschlechte Beschaffenheit, Es hätte ein einfaches Mittel gegeben,dem Mangel gründlich abzuhelfen: Man hätte die Werthrelation

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der gesetzlich bestehenden Doppelwährung zu Gunsten des Silbersändern müssen, so dafs die SÜberausprägung für Private lohnendgeworden wäre und die Einschmelznng vollwichtiger Silbermünzenkeinen Gewinn mehr hätte ergeben könueu. Aber in diesem Fallhätte man riskirt, deu bestehenden Goldumlauf zu verlieren, aufGrund derselben wirtschaftlichen Gesetze, vermöge deren mandas Silber verloren hatte. Die Erfahrungen, welche England mitseinem bimetallistischeu System gemacht hatte, hatten eben zudeutlich gezeigt, dafs dieses System nicht die Sicherheit ge-währe, beide Metalle gleichzeitig im Umlauf zu erhalten.

Den Goldumlauf wollten aber die Engländer unter keinenUmständen verlieren. Als sich nun aber, ohne einen gesetzlichen

Kiligriff, das Werthverhältnifs der beiden Metalle im freien Vei-ts

kehr gegen Ende des 18. Jahrhunderts der gesetzlichen Kelationnäherte und sie schliefslich erreichte, und als es in Folge desseuvorteilhaft wurde, Silber auszuprägen, da erschien sofort einekönigliche Proklamation (1798), welche unter juristisch unhalt-baren Gründen den Münzstätten die Prägung von Silber auf Pri-vatrechnnng untersagte, und das Parlament säumte nicht, diesenungesetzlichen Erlafs durch seine Zustimmung zu legalisiren. Sodrückend man den Mangel an kleinem Geld empfand, so wenighatte man Lust, deu Silberumlauf auf Kosten des Goldumlaufs zuverbessern.

Mit der Sperrung der freien Silberpräguug war der ersteentscheidende Schritt aus der rein tatsächlichen zur gesetzlichenGoldwährung gethan. Inzwischen hatten die Engländer, wieKalkmann ausführlich und treffend darstellt, aus ihren tatsäch-lichen Münzverhältnisseu gelernt, wie sich ein vorwiegender Gold-umlauf und ein Geldwesen auf Grundlage des Goldwertes miteinem ausreichenden und geordneten Silberumlauf vereinigen lasse.Um das Gold gegeu die Möglichkeit einer Verdräugung durch das

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Silber zu sichern, mufste mau die freie Silberprägung sistireu,welche Notwendigkeit ja im Jahre 1798 praktisch geworden war.