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Doppelwährung dar, welche sich von der französischen Doppel-währung unseres Jahrhunderts nicht unterschied.
Der erste Glaubenssatz der Bimetallisten ist der, dafs es inder Macht des Gesetzes stehe, das Werthverhältuils der beidenEdelmetalle zu fixiren; sie behaupten, dafs, wenu die Gesetzgebungdie Ausprägung beider Metalle auf Grund eines festen Werthver-hältnisses freigiebt, dieses Werthverhältnils unverrückbar festgelegtsei. Der historische Beweis für die Wahrheit dieses Satzes seidurch die Wirkung der französischen Doppelwährung erbracht.Mit diesem historischen Beweis werden wir uns später zu beschäf-tigen haben. Zunächst bleiben wir bei England . Die englischeDoppelwährung auf Grundlage der Relation von 15,2,: 1ist ein vollkommen unanfechtbarer historischer Beweisfür die Unrichtigkeit des bimetallistischen Gedankens.Das bimetallistische System versagte hier; es kam nicht einenAugenblick zu der Wirkung, 1 Pfuud Gold gleichwerthig mit15,2 Pfund Silber zu machen. Das thatsächliche Werthverhältnilsim freien Verkehr war während des ganzen 18. Jahrhunderts fürdas Silber günstiger, als die gesetzliche englische Relation. Durchdiese historische Thatsache ist der Satz widerlegt, dafs eine ge-setzliche Doppelwährung an sich allein im stände sei, das Werth-verhältuifs der Edelmetalle zu stabilisiren.
Trotz der gesetzlichen Doppelwährung blieben die englischenWährungsverhältnisse unverändert dieselben, wie wir sie oben ge-schildert. Thatsächlich wurde ausschliefslich Gold zu den Münz-stätten gebracht, alle gröfseren Zahlungen wurden in Goldgeldgeleistet, und der Werth des englischen Geldes war — was dieHauptsache ist •— durchaus nur vom Werth des Goldes abhängig.Also nach wie vor thatsächliche Goldwährung, und die Eng-länder waren damit zufrieden. Unzufrieden waren sie nur mitdem Mangel au Silbermünzen für die kleinereu Zahluugeu, dernach und nach immer drückender wurde. Im Umlauf konntensich, da in der gesetzlichen Relation das Silber zu niedrig tarifirtwar, nur stark abgenutzte Stücke halten. Private konnten in Folgedesselben Umstandes das Silber auf dem Edelmetallmarkt zu einembesseren Preise verkaufen, als sie Schillinge daraus prägen lassendurften, und wenn der Staat Silbermünzen ausprägen liefs, solohnte es sich für die Edelmetallhändler, diese neuen und voll-wichtigen Stücke aus dem Verkehr zu ziehen, einzuschmelzen und