Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
Entstehung
Seite
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82Schicketanz/Heiligenhauseine ­ wiederum aufwändige ­ Nachindizierung der Texte voraussetzte.Der Nutzer wäre aber dennoch in der Lage, nach bestimmten Zeichen-folgen zu recherchieren ­ eben auch solchen, die zum Beispiel einen Au-tornamen oder den Titel eines gesuchten Beitrags repräsentieren.Die Entscheidung, bibliographische Kerndaten manuell zu katalogisie-ren, bleibt unter wirtschaftlichen beziehungsweise technischen Gesichts-punkten stets anfechtbar. Man kann darüber spekulieren, ob künftigneue Technologien die klassische Form der Katalogisierung obsolet ma-chen werden. Von dieser Entwicklung, die keinesfalls eine Zukunftsvisi-on darstellt, einmal abgesehen, sind die neuen, hochinformativen Mög-lichkeiten jedoch an einem traditionellen Kriterium zu messen: Demzu-folge basiert der>Wert< eines digitalen Archivs nicht ausschließlich aufder Zweckmäßigkeit, die ein solches Angebot für einen bestimmtenNutzerkreis besitzt, wie im Übrigen ja auch die Bedeutung einer traditio-nellen Bibliothek keinesfalls nur in der Literaturversorgung besteht. Ge-rade die»Erschließung alter und wertvoller Bestände«, die»von gesamt-staatlicher oder überregionaler Bedeutung« sind,37gilt zurecht als maßge-bendes Förderkriterium, sofern dadurch der eigentliche Mehrwert jedesEinzelarchivs innerhalb der Verteilten Digitalen Forschungsbibliothekkonstituiert wird. Den aus Einzelprojekten resultierenden Datenbankenist folglich ein bleibender kulturhistorischer Stellenwert zu Eigen, dernicht unterschätzt werden kann: Wie ein Buch, das unkatalogisiert in eineBibliothek eingestellt wurde, für den Nutzer schlichtweg nicht existiert,stellt erst die distinkte Titelaufnahme eines Zeitschriftenbeitrags die ini-tiale Materialisierungsstufe seines potentiellen Informationsgehalts dar.DieSummealler Titelaufnahmen bildet die Voraussetzung der optimalenInformationsvermittlung; derZweckder Katalogisierung besteht indes-sen ebenso in der reinenInformationserhaltung. ­ Das Zukunftsszena-rio mag erschrecken, unrealistisch ist es keineswegs: Wenn die Originaleeines Tages zu Staub zerfallen sind und einige Jahrzehnte oder Jahrhun-derte später die archivierten Microfilme ausgebleicht sein werden, gebenbeizeiten konvertierte Datenbanken wenigstens darüber Auskunft, wel-che Informationen der Menschheit verloren gingen.In den weltweit aktiven Jüdischen Studien muss die TiteldatenbankvonCompact Memoryzudem das Kriterium erfüllen, auch vom Grafik-beziehungsweise Volltextangebot unabhängige Recherchen zu ermögli-chen. Als digitales>Quellenverzeichnis< schließt die Datenbank die großeLücke zwischen biographischen Nachschlagewerken, Fachbibliographien37Sigrun Eckelmann: Förderschwerpunkte der DFG im Bereich digitaler Bibliotheken,S. 7.(Fußnote 1).