Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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Einleitung.

Vorstellungen entstehen aus Empfindungen, unddiese find entweder innere oder äußere. Menschennnd Thiere haben das Vermögen, ihre innern Eni5pfindungen durch jeder Art eigene und verständ-liche taute auszudrucken. Diese taute sind bey je-der Art Thiere, so wie bey dem Menschen, der Zahlnach sehr geringe, weil der innern Empfindungennur wenige sind. Ein ach! ah! oh!ey! fi! uh!und wenige andere, siehe da das ganze Wörterbuchder menschlichen innern Empfindungen. Welcheine arme Sprache! Sie machen daher keine Spra-che in engerer Bedeutung aus, und aus ihnen kannnie eine Sprache in menschlichem Verstände ent--stehen. Das Vermögen, äußere j^mpfindunLgen durch vernehmliche Töne auszudrucken, ist demMenschen allein eigen', weil dazu Reflexion oderBesonnenheit gehöret; ein Vermögen, welches ihnvon den Thieren unterscheidet. Man sehe HerrnHerders vortreffliche Preisschrift über den Urssprung der Sprache. Aber auch der bloße ver-nehmliche oder hörbare Ausdruck der äußern Em-pfindungen ist noch nicht Sprache im engsten Ver-stände, ob er gleich der Grund derselben ist; ist sowenig Sprache, als bloße einfache EmpfindungenVorstellungen und Begriffe sind. Sprache imengsten Verstände ist sowohl vernehmlicher Aus-druck der Begriffe, als auch der ganze Inbegriffsolcher vernehmlichen taute, wodurch Menschen ihreVorstellungen ausdrücken.

Ich sage vernehmlicher, d. i. hörbarer, Aus-druck; denn es gibt noch eine andere, obgleich äus-serst unvollkommene Art, andern seine Vorstellun-gen merklich zu machen, z. B. durch Geberden.Doch das heißt deuten und nicht sprechen.

Schrei-