, I. Sprache überhaupt. 5
Schreiben stehet dem Sprechen, aus diesem Ge>sichtSpunrte nicht entgegen, sondern ist bloß einHülfsmittel, vernehmliche Töne dem Gesichte vor-znmahlen, und sie dadurch dem Verstände hörbar zumachen.
§. 2. Da es mehrere Arten gibt, seine Vorfiel- Volk, Wllungen und Begriffe durch vernehmliche Laute aus- kerschaft,zudrücken, so gibt eS auch mehrere und verschiedeneSprachen, und dieser ihre Verschiedenheit ist in derNatur eben so sehr gegründet, als die Verschieden-heit der VorstellungSarten, Sitten, Cultur u. s. f.und eine allgemeine Sprache ist, wenn sie keineGrille des Stubengelehrten bleiben, sondern zn al-len Zeiten und unter allen Himmelsstrichen brauch-bar senn soll, ein Unding. Marion, Volk, sindzwar vieldeutige Ausdrücke; allein dem gewöhnlich-sten Sprachgebrauche nach bezeichnen sie eine Men-ge Menschen, welche bey einer gemeinschaftlichenAbstammung einerley Vorstellungen durch einer-ley Laute, und auf einerley Art ausdruckt, unddieser Begriff ist einer der bestimmtesten. Eingroßes aus mchrcrn Stämmen, das ist, kleinernverwandten Völkern, bestehendes Volk, nennt manlieber eine Völkerschaft. Den gemeinschaftlichenUrsprung muß man hier nicht zu genau nehmen,indem alle Völker von den ältesten Zeiten an, sehrhäufig mit einander vermischt worden. Die Spra-che ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmahl einesVolkes. Es kann seine Sitten, seine Gebräuche,selbst seine Religion ändern, und es bleibt noch im-mer eben dasselbe Volk; aber man gebe ihm eineandere Sprache, so verhält sich alles ganz anders.Wer kennet noch die ehemahligen Wenden in Ober»und Nicdersachsen, seitdem ihnen die Deutsche Spra-
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