Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6 Einleitung.

che aufgedrungen worden? Sind sie nicht dadurchden Deutschen einverleibet und mit ihnen auf dasunzertrennlichste zu einem Volke verbunden wor-den ? Wer kennr noch in dem heutigen Böhmen die Überreste der alten Bojer, die, von den Sla-ven überwunden, ihre Sprache annahmen unddadurch alle Unterscheidungsmerkmahle bis aufdie geringste Spur- verlohren? Eine gemein-schaftliche Sprache sitzt daher nicht allemahl einengemeinschaftlichen Ursprung voraus, weil ein'Volkdein andern seine Sprache aufdringen kann. Indieser Rücksicht auf ein gewisses bestimmtes Volkist die Sprache derjenige Inbegriff vernehmlicher4aure, durch welche sich ein Volk seine Vorstellun-gen mitzutheilen pflegt. Eine solche Sprache heißtalsdann die Muttersprache eines jeden, der vondiesem Volke ist.

Lebendige, §. Z. Die Erfahrung lehret uns, daß Völkertodte und entstehen, verändert werden, und untergehen. Eben,gelehrte g^ch von ihren Sprachen. Sprachen, wel-

EMchcn. ^ ganzen Völkern gesprochen werden,

heisscn lebendige, diejenigen aber, welche nicht,mehr von ganzen Völkern gesprochen werden, codreSprachen. Es ist eine angenehme Beschäftigung,die seit dem Anfänge der Geschichte bekanntgewor-denen Völker und Völkerschaften mit ihren Spra-chen, so weit man sie kennet, vor sich vorüber geheilzu lassen. Wieviele davon sind nicht todt, so völ-lig todt, daß auch nicht die geringste Spur mehrvon ihnen übrig ist ! Nicht so diejenigen Völker, de-nen wir unsere Cultur und Wissenschaften zu dan-ken haben, und bereit Sprachen wir noch unter demNahmen der gelehrten Sprachen kennen und stu-dieren. Diese Völker sind, was den verbesserten

Reli-

'