Hers in Nord-Amerika , studireri, so wird man sichunvermnthet auf Deutschem Grund und Boden zubefinden, und einen Tacicus z-u lesen glauben ; einHülfsmittel, welches von vielen Deutschen Ge-schichtschreibern vernachlässiget worden, daher auchHre Schilderungen nie nach der Natur gerathensind, die sich doch in ihrem rohen ungebildeten Zu-stände überall gleich ist.
§. 12. Zwar fehlte es den wilden Deutschen bey Ihre Ab-den vielen Kriegen, welche sie mehrere Iahrhundcr- ueigungte mit den Römern führten, nicht an Gelegenheit, ^die Vortheile und Bequemlichkeiten des gesitteten "jebenö kennen zu lernen; allein da der damit ver-bundene Zwang jene in ihren Augen weit überwog,so sahen sie selbige, ohne darnach lüstern zu werden.
Es ist beynahe erstaunlich, wie wenig EindruckdieBequemlichkeiten gebildeter Völker zu allenZei-ten und unter allen Zonen auf den Wilden machen,auch wenn er selbige täglich vor Augen hat. Wiedem Thiere im Walde und dem Vogel in der Luft,ist die unumschränkte Gleichheit und Freyheit, dieer in dem gesitteten Zustande aufopfern muß, feineiniges und höchstes Gut, daher sein Stolz allesdas verachtet und hasset, was mit diesem Zustandsin Verbindung stehet. Die Unterordnung in gesit-teten Gesellschaften, und die Unterwerfung einesMenschen unter dem andern, ist ihm eine unbegreiff-liche Niederträchtigkeit. Er selbst ist in seinen Au-gen der Maßstab aller Vortrefflichst, und er schätztandere Menschen nur nach dem Maße, nach welchemsie sich ihm nähern. Er siehet die ängstliche Vorsorge,den unermüdeten Fleiß, die Verwickelren Maßregelndes gesitteternMenschen mit Mitleiden an, und ver-wünschet dessen unzeitige Thorheit, welche sich die
B 2 Bs-