Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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II. Deutsche Sprache. 2t

stamme wurden theils verdränget, theils mit denneuen vermischt, und mit ihnen wurden auch dieMundarten theils verpflanzt, theils mit andern ver-mengt. Es kamen neue theils verwandte, theilsauch ganz fremde Volkssiamme nach Germanien ,und brachten neue Mundarten und neue Sprachenmit. So setzten sich jetzt die Slaven, ein ganzfremdes Volk, in dem östlichen und nördlichenDeutschlande fest, und führten in den Ländern, de-ren sie sich bemächtigten, ihre Sprache ein.

§. 14. Unter den mit den Deutschen verwand- Bothen undten Völkern, welche um diese Zeit Aufsehen mach- Ulphilas.ten, sind in Ansehung der Sprache besonders dieGorhen merkwürdig; ein zahlreiches und mächti-ges Volk, welches ehedem am schwarzen Meerewohnte, sich aber jetzt, von den Hunnen vertrieben,nach Westen wandte, und sich zu beyden Seiten deruntern Donau sehr weit ausbreitete. Ein beträcht-licher Theil derselben, welcher in dem alten Mössien, oder der heutigen Wallache», wohnte, ist unterdem Nahmen der Möso - Gochen bekannt.

Es ist ein seltsames Vorgeben, daß diese Nlösso-gothische Sprache die Mutter, nicht alleinder Deutschen, sondern auch aller übrigen nordi-schen verwandten Sprachen sey. Aber so seltsameS auch ist, so ist es doch von sehr vielen in allemErnste behauptet worden. Deutschland und dienördlichern iänder hatten schon viele JahrhunderteSprache und Einwohner, ehe noch die Gothen demNahmen nach bekannt wurden. Mit was fürSchein von einem Grunde kann man wohl ihreSprache zur Stamm - und Muttersprache aller üb-rigen machen? Eine verwandte Sprache war es al-lerdings, und zwar näher verwandt mit der heuti- -

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