Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

gen Oberdeutschen, als mit der Niederdeutschen , wieman sich davon bey dem ersten Anblicke überzeugenkann. Allein e6 kamen damahls mehrere vielleichteben so nahe und vielleicht noch näher verwandteVölkerschaften aus den Gegenden des SchwarzenundKaspischen Meeres, dem gemeinschaftlichen Va-terlande der Europäischen Völkerschaften, nur daßuns von ihrer Sprache nichts mehr übrig ist.

Die LHoso-Gochen hatten theils wegen ihrerNachbarschaft mit dem Griechischen Reiche, vor-nehmlich aber bey den vielen Kriegen mit ihrenNachbaren, schon einen beträchtlichen Anfang indem gesitteten Zustande gemacht, als ihr BischofUlphilas um das Jahr z6o nicht nur die Kunst zuschreiben unter ihnen einzuführen suchte, und dazudie Schrift der benachbarten Griechen entlehnte, son-dern auch die heilige Schrift in diese Sprache über-setzte, und ihnen überhaupt Geschmack an Wissen-schaften beyzubringen suchte. Wir haben von sei-ner Übersetzung nichts weiter, als den größten Theilder vier Evangelisten und ein kleines Stück aus demBriefe an die Römer, übrig; allein diefe Stückesind doch das älteste Denkmahl einer DeutschenMundart, welches wir nur haben, und daher über-aus schätzbar.

In den neuern Zeiten hat man angefangen, zuzweifeln, ob diefe Uebersetzung auch wirklich (vo-thisch und nicht vielmehr Fränkisch oder (!)bersdeutsch sey. Allein das erste hat so viele unwi-derlegliche innere und äussere Gründe für sich, daßan keine Zweifel mehr zu gedenken ist. Ich kannmich hier bey diesem schätzbaren Überreste der al-ten Gothischen Sprache nicht länger aufhalten, son-dern verweise dagegen, theils auf die vom Herrn D.

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