§. 27. Nach Luthers Tode blieben die evangeli- Ihre Aus-sehen Gottesgelehrten in dem lehrbegriffe nicht nur bilduug.gerade da stehen, wo ergeblieben war, sondern siegeriethen auch unter einander in die bitterstell undärgerlichsten Streitigkeiten. Zum Unglück riß ebendieser Stillstand auch in den meisten übrigen Wis-senschaften ein, ungeachtet sie mit der Theologie inkeiner Verbindung standen. Die Philosophie warnoch immer scholastische Barbarei), und die alteLitteratur nagte an der Schale und übersahe den.Kern, daher die schönen Künste nur sehr langsamauskeimten. Die ersten Wiederhersteller der Reli-gion und Wissenschaften suchten das Volk aufzuklä-ren, schrieben viel in Deutscher Sprache, und ver-anlaßten dadurch ihre Ausbildung; ihre Nachfolgerverließen diesen Weg, und ehrten das Latein aufKo-sien ihrer Muttersprache. Der katholische Reichs-»theil haßte die in Obersachsen ausgebildete Spracheals das Wahrzeichen der Keßerey, und blieb bey deralten rauhen Oberdeutschen Sprache. Kurz, dieAufklärung des Verstandes und Geschmackes nahmnicht so schnell zu, als der erste Anfang vermuthenließ, und die langwierigen innern Unruhen, welcheauf die Reformation im Deutschen Reiche folgten,hielten sie noch mehr auf.
Luthers Eifer um die Reinigkeit der Sprachereihte zwar nachmahls viele, diefe Reinigkeit undRichtigkeit auf gewisse Regeln zurück zu führen, al-lein anstatt diefe Regeln in der Sprache selbst auf-zusuchen, entlehnte man sie entweder aus den Latei-nischen Sprachlehren, oder man wollte Selbstersin«der seyn, und die Sprache nach seinem Gutdünkenmodeln. Vor andern hatte die Orthographie, ge-rade der unbedeutendste Theil der Sprache, vom An-
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