Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

Muße und Nachdenken zu widmen, so wurde er essowohl in der Orthographie, als auch in der gram-matischen Richtigkeit weiter gebracht haben. Soaber ist er sich in der ersten nicht allemahl gleich, undin Ansehung der letztern sind seiner Aufmerksamkeitnoch viele Fehler und Unrichtigkeiten, selbst in derDeutschen Bibel, entgangen, daher sie für nichtsweniger als classisch gehalten werden kann.

Es findet sich aber noch ein sehr wichtiger Um-stand, welcher diesem classischen Ansehen in demWege stehet. Luther hatte anfänglich nicht deutlichdie Absicht, die Oberdeutsche Mundart aus dem Ge-biethe der Wissenschaften zu entfernen, sondern ersuchte sie nur durch die Obcrsächsische Mundart bieg-samer und wohlklingender zu machen, daher ist derGrund seiner Übersetzung noch ganz Oberdeutsch,welche Mundart, aller seiner von Zeit zu Zeit vorge-nommenen Aenderungen und Besserungen ungeach-tet, noch immer durchscheinet. Da man seine Über-setzung nach seinem Tode so ließ, wie sie war, undsie der immer fortschreitenden Cultur der Sprachenicht, wie es doch seyn sollte, folgen ließ, so fallendiese Oberdeutschen Überbleibsel zu unsern Zeitenweit mehr auf, als zu seiner, da sie dem damahligenZustande der Büchersprache gemäß waren. In derVorrede zum ersten Bande meines Wörterbuchs lei-tete ich diesen Hang der DentschenBibel zum Ober-deutschen aus der Vermuthung her, daß Lutheretwa eine ältere Oberdeutsche Übersetzung bey dersemigen zum Grunde gelegt, welche ganze Vermu-thung ich aber zurück nehme, zumahl da auch HerrPastor Göy in Hamburg sie nach einer sorgfältigenVergleichung hinlänglich widerlegt hat.

§. 27.