Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
65
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II. Deutsche Sprache. 6F

Aus diesem Gesichtspuncte muß man ü.mhersVerdienste um die Deutsche Sprache ansehen, wennman diesem großen Manne aus der einen Seitenicht zuviel, und auf der andern nicht zu wenig, zu-schreiben will. Der ehrwürdige Greis Bodmerlegt in seiner kurzen Abhandlung von den Verdien«sien Luthers um die Deutsche Sprache, die sichvor seinen Grundsätzen der Deutschen Sprache be-findet, alle Veränderungen, welche man zur Zeit derReformation mit der Sprache vorgehen sieht, bloßLmhern bey, und behauptet, daß sie hernach vonder Nation angenommen und sich zu eigen gemachtworden. Eigenmächtig hat Luther diese Verände-rungen wohl nicht gewagt; er fand sie zum Theilschon in der Mundart des Landes, worin er geboh-ren war und lehrete, und wandte sie nur in Schrif-ten auf die alte Oberdeutsche Munda.t an, welchefür den jetzigen verfeinerten Zustand der Sitten undWissenschaften zu rauh, hart und unbiegsam war.Er war dabey bescheiden genug, der natürlicherWeise und von sich selbst immer weiter gehendenCultur der Sprache zu folgen. Er war zugleichder erste, der über die Sprache nachzudenken anfing,und sich nicht nur der bisher so sehr vernachlässigtengrammatischen Reinigkeit und Richtigkeit befliß,sondern auch die Rechtschreibung, welche nach derharten und überfüllten Oberdeutschen Aussprache ge-bildet war, auf vernünftigere Regeln zurück führte,und sie der Oberfächsifchen sanftem Aussprache ge-mäß machte. Anfänglich schrieb er selbst noch, wieganz Deutschland zu seiner Zeit, czu, zcu oder yu,yierde, eyner, Craffr, rzoni, dye, yhn oder yn,lervrh, bawe,., Wundern, vnd, vns u. s. f.Hätten wichtigere Beschäftigungen ihm erlaubt, derSprache, die für ihn nur Nebenwerk war, mehrAdcLD.Spr. E Muße