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Einleitung.
Doch iuther mußte den für sein Jahrhundertwirklich feinen Gefchmack nicht gehabt haben, wel-chen er wirklich besaß, wenn er nicht daö Rauhe undHarte dieser Mundart sehr bald hätte einsehen sol-len, daher er sie immermehr durch die Meißnische^ oder Obersächsische zu verfeinern suchte, und die inder Sprache des gesellschaftlichen iebenS ungangbargewordenen Oberdeutschen Wörter und Ausdrückei durch allgemein verständliche ersetzte. Da6 siehetV - man besonders den verschiedenen Ausgaben seinerH Bibelübersetzung sehr deutlich an. Die Obersächsi'--- sche Mundart war schon vorher durch Handlung,/ Wohlstand und verseinerte Sitten beträchtlich auS-gebildet worden, und jetzt, da Obersachsen zugleich
- ! der Sitz der Künste und Wissenschaften war, ward
- i sie es noch mehr. Alle Deutsche , denen es um ver--A künftige und gründliche Gelehrsamkeit zu thun war,A kamen nach Obersachsen, und lernten diese Mundart,
. als die zierlichste und wohlklingendste m Deutsch -, ^ land, die überdieß noch durch die vielen DeutschenH Schriften der ersten Wiederhersteller der Religion^ und Wissenschaften gar sehr ausgebreitet wurde.Die alte Oberdeutsche Mundart ward als die ieib-tracht der Unwissenheit nach und nach verabschiedet,oder vielmehr nach dem Muster der Meißnischen.ausgebildet, und da alle Lehrer der gereinigten Re-ligion diese Mundart in Witcenberg oder aus denSchriften der ersten Reformatoren erlemeten, so ge-schahe mit der Zeit das, woran diese im Anfangewohl selbst nie gedacht hatten: die durch Sitten undWissenschaften ausgebildete und bereicherte Meißni-sche Mundart, oder vielmehr die durch die Meißni-sche verfeinerte alte Oberdeutsche Mundart, ward dieHerrschende Sprache deS gelehrtesten und gesittestenTheiles der Nation,
Aus