Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
75
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III. Deutsche Mundarten.' 75

Dank sagen. 5) Unnöthige Verdoppelung undVerhärtung der Mitlaute: Trecken, Borte, nem-»nen, daruinb, umb, Umbstand u. s. f. 6) Ver-wechselung der harten Mitlaute mit den weichen undvorzügliche Neigung zu den ersten; ein Fehler, wel-chen man wohl gar den Obersächsischen Mundarteneigenthümlich beygelegt hat, da er bey ihnen dochnur ein Überbleibsel der Oberdeutschen ist: tringen,trucken, paum. 6) Überfüllungen der Wörter:bisweilen, sämmtlicher, allfolglichen, ein-folglichen für folglich, gnädiglichen, unwie-dcrsprechenlichen, seliglich, tausend Bey - undNebenwörter aufiglich, und andere Weitschweifig-keiten mehr, welche einen entscheidenden Hang ver-rathen, mit einem vielsylbigen Geräusche im Grun-de wenig zu sagen. 7) Der schwerfällige Ge-brauch der Participien: die vorgeschützt wer-den dürfende Nichtigkeit; der angegebenwerden wollende Unterschied; die von deroGemahlin hergeleitet werden mögende Anssprüche. '

Aus dem vorigen erhellet, daß die Oberdeut-sche Mundart sehr frühe, und mehrere Jahrhun-derte hindurch ausgebildet worden. Diesem Um-stände hat sie ihren Reichthum an Wörtern zu ver-danken, nicht allein alle während ihres Flores be-kannte Begriffe, sondern auch sehr viele Begriffenach allen ihren Graden und Schattirungen auszu-drucken. Hierin hat sie sehr vieles vor ihren übri-gen Schwestern voraus, indem sie eine Menge Ge-genstände und Begriffe mit einheimischen Nahmenausdrucken kann, wofür die Hochdeutsche Mundartfremde entlehnet hat. Nur wieder ein Paar zurProbe: Hochboth, Ambassadeur; Gezug, Ap-pellation ; Nummer, Arrest; Gant , Steige-rung,