Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
77
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III. Deutsche Mundarten. 77

Was ich jetzt von der Oberdeutschen Mundartgesagt habe, gilt zunächst und in vollem Maße vonihr im engsten Verstände, das ist, von den südlich-sten, zwischen Franken und Italien gelegenen Pro«vinzen; nicht so sehr, und mit mehrern Ausnah-men, von den mittlern Provinzen Deutsch land es,wohin ein Theil des Ober- und Nieder-Rheines,Franken, Thüringen und die südlichern Theile derOber- und Niederfächsischen Kreise, nebst Schlesien gehören, wo die Sprache schon sehr durch die Nie-dersachsische Mundart gemildert worden, und end-lich ganz mit ihr zusammen fließt.

Es ist unnöthig, die einzelnen Dialecte beson-ders nahmhaft zu machen, worein sich diese großeMundart theilet. Es sind ihrer so viele, als Pro-,vinzen zwischen den bemerkten Gränzen liegen, undin großen Provinzen oft so viele, als es beträchtlicheAbtheilungen in denselben giebt. Manche auf denGränzen der Hauptmundarten gelegene Landschaftenlassen sich mit eben so vielem Rechte zu der einenals zu der andern rechnen, weil beyde in ihnen zu-sammen fließen. Kennten wir das alte Deutsch-land zn Taciti und Ptolemäi Zeiten so, wie wir dasheutige kennen, so würden wir den Grund dieservielfachen Mundarten ohne Zweifel in den vielenkleinen und unabhängigen Volksstämmen der da-mahligen Zeit finden.

§. zi. Die Niederdeutsche, Sächsische im Der Nis«eigentlichsten Verstände, oder, wie sie sich selbst oft derbem-nennet, plattdeutsche Mundart, beherrscht die nörd.lichsten Gegenden Deutschlandes, von den Nieder-ländischen Gränzen an bis an die Atthauischen.Vom Deutschen Reich besitzt sie ohngefähr ein Drit-tel;