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Einleitung.
Sprechkunst und Logik sind indessen näherverwandt, als man gemeiniglich glaubt. Jene be-schäftigt sich mit dem richtigen Ausdrucke der Ge-danken, und da diese uns richtig denken lehret, sosollte sie billig schon vor Erlernung der Sprachkunstvoraus gehen. Beyde klären sich wechselsweise auf,und ein geschickter Lehrer wird einen großen Theilder jogik gelegentlich bey der Sprachkunst vortra-gen können.
Sprachkunde, Sprachkennrniß, Sprach-kunst, Sprachlehre und Sprachwissenschaftsind nicht gleich bedeutend. Die.beyden ersten Aus-drücke werden subjective, der dritte und vierte ob-jective, der lehte aber auf beyderley ?lrt gebraucht.Sprachkunde und Sprachkennrniß bezeichnenden Inbegriff klarer und deutlicher Vorstellungen,welche jemand von einer Sprache hat; Sprach?kunst und Sprachlehre bezeichnen den Inbegriffder Sprachregeln, und zwar erste, so fern durch die-selbe eine Fertigkeit gewirket wird; Sprachwisssenschafr aber ist sowohl subjective die Fertigkeit,die Sprachregeln aus unwiderstehlichen Gründendarzuthun, als auch objective, der Inbegriff allerunumstößlich erwiesenen Sprachregeln.
Ob es besser ist, eine Sprache, und besondersseine Muttersprache, grammatisch, d. i. mit Be-wußtseyn der Sprachregeln, oder aus bloßer Übungzu erlernen, ist sehr leicht zu entscheiden, so baldman nur über den Vorzug der klaren und deutlichenErkenntniß vor der dunkelen und verworrenen einigist. Die lehtere ist von einer bloß aus der Übungerlangten Fertigkeit unzertrennlich, die erstere aberkann allein aus der Sprachlehre erhalten werden.Diese ist in der Muttersprache desto nothwendiger,