IV. Deutsche Sprachlehre. 9Z
je unverzeihlicher es ist, sich von Gegenständen au-ßer uns klarer und deutlicher Begriffe zu befleissl-gen, und sich in Ansehung des Ganges und Aus-druckes seiner eigenen Gedanken mit dunkeln undverworrenen zu befriedigen. Hätten sich die Deut-schen bisher mit mehrerm Eiser einer grammati-schen Kenntniß ihrer Sprache beflissen, so wurdedie im vorigen angeführte Klage Öttsrieds ausdem neunten Jahrhundert, cavem slmrum et äe.Azrmitgtem non verecuucjgnt iusruin; iwj?ent insiiiz vel litterula parva grtem tisusArecli ^ et x?.ene^>ropria linAua viiium geneigt per ilNAula verbs,nicht noch in der letzten Hälfte des achtzehnten gelten.
§. ?5» Jedes Volkes wahre Geschichte verlieret Analogiesich endlich in den rohen und ungesitteten Zustand, oderSelbst Mosis Geschichte fangt nicht undeutlich da- Sprachähn«selbst an, denn von Adams beyden Söhnen war der !^M^älteste ein wilder Jäger und der jüngste ein Noma-de; ein deutlicher Fingerzeig von dem gewöhnlichenÜbergänge aus dem wilden Zustande in den gesitte-tem, wenn Volksmenge ihn nothwendig macht.Man kann es daher als einen höchst wahrscheinli-chen Satz annehmen, und der Bau jeder Sprachebeweiset es unwidersprechlich, daß sie von rohenungebildeten noch ganz sinnlichen Völkern eingefüh-ret und ausgebildet worden. Am deutlichsten er-hellet dieses aus dem Baue solcher Sprachen, welchesich, so viel man weiß, noch in der ersten ursprüng-lichen Gestalt erhalten haben, wie die Deutsche, undnicht durch mehrmahlige Vermischungen um ihreganze Eigenthümlichkeit gekommen sind, wie allewestlichen Europäischen Sprachen.
Weil Sprache und Vernunft sich, wie ich imfolgenden zweyten Kapitel zu erweisen suchen werde,
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