Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
179
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s.Kap. Ursprung der Sprache. §.51. 179

§. 51. Sylben und Wörter sind nicht willkühr- smüttinzlich oder von ungefähr aus Buchstaben entstanden, und Ge-sündern die Spracherfinder sind dabey nach gewissen sichte derallgemeinen Grundgesetzen zu Werke gegangen, die g^'"°^aber von ihnen, wie alles in der Sprache, nur dunkelempfunden worden. Die Aufsuchung dieser Grund-gesetze lehret die Etymologie, oder Wissenschaft desUrsprunges und derVildung der Wörter; cineWis-senschast,welche dem Nahmen Nach sehr alt, aber ihrergründlichen und fruchtbaren Bearbeitung nach sehrjung und jetzt wirklich mir noch erst im Entstehen be-griffen ist, ungeachtet sie keiner andern Wissenschaftan Wichtigkeit und Fruchtbarkeit etwas nachgibt,weilsie allein im Stande ist, den menschlichen Verstandbis in seine Kindheit zu verfolgen, die Anfangs-gründe seiner Begriffe zu entwickeln, und den gan-zen Stufengang seiner Erkenntniß zu zeichnen.Die Alten scheinen von dieser Wichtigkeit schon et-was gewittert zu haben, daher sie auch die Etymo-logie zum ersten Theil der Sprachlehre machten,und ihre Gränzen sehr richtig absteckten. Veibo-ruin etiam exp-liLauo, icl eir, c^ua cle caula ciuse-cuncjue elleM ita nomuiaw, cmsin e/^/?//o/aA/amnominalem, sagt Cicero ^cacl. B.I. Kap. Z2. Ver-muthlich waren es Philosophen, welche diesen Ge-danken zu erst dachten; allein da sie nicht selbstHand anlegten, sondern die Sache den Sprachleh-rern überließen, so konnte die Etymologie in keineschlechtere Hände kommen. Sie führten sie Zwar?n den Sprachlehren mit auf, vergaßen aber ihrewahre Bestimmung und schränkten sie auf die bloßeEintheilung und Biegung der Wörter am Ende ein.Wenn sie Mine machten, dem Ursprünge einesWortes nachzuspüren, so waren sie nur in so weitglücklich, als sie bey den nächsten Stammwörtern

M s blieben.