2O8 I.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.
bey der unaufhörlichen Übung dieser seiner erstenQuelle der Erkenntniß, die größte Feinheit undSchärfe bekommen mußte, hörte sich crreiffen, füh-len, fassen, gehen, stehen, essen, wenn gleichseinen spätern Abkömmlingen diese Empfindungfremd ist.
Da bey dieser Übertragung sowohl eines der Be-stimmung nach individuellen Nahmens auf ganzeClassen und Gattungen, als auch der Empfindungdes Gehöres auf die übrigen Sinne, vieles auf dieVorstellungöart und den individuellen Gang derIdeen, und tausend zufällige Umstände ankam, sodarf man sich nicht verwundern, wenn eine Familieoder ein Volksstamm, zu Bezeichnung eines über-getragenen Begriffes, diesen und ein anderer jenenNaturlaut wählte, je nachdem die Art war, wie sichjeder den Begriff dunkel dachte. Hierin liegt nundie zweyte aber sehr weit ausgebreitete Ursache derVerschiedenheit der Sprachen, welche in den über-getragenen Begriffen weit größer und merklicher ist,als in dem ersten Ausdrucke der Naturlaute. Bey-spiele sind unnöthig, weil man nur den ersten denbesten übergetragenen Begriff nehmen, und dessenNahmen in mehrern Sprachen vergleichen darfIndessen findet sich hier oft wirklich mehr Überein-stimmung, als man dem ersten Anscheine nach hof-fen sollte. So hat die rorhc Farbe, die heftigsteund empfindlichste unter allen Farben, ihren Nah-men in so vielen Sprachen von einem und ebendemselben Naturlaure, nähmlich von reic-en, ur-sprünglich der taut einer heftigen Bewegung:Deutsch ror, Englisch rsci, Wallisisch rliucU , La-teinsch rm - il. us, Griechisch e - ^Z- - 05, Arabischi - rsecKI - cm. Bey andern ändert sich nur der Dienst-laut, und der Begriff ist daher noch immer ähnlich:
tat.