z.Kap. Ursprung der Sprache. §.62. 207
Der Sinn des Gesichts war ohne Zweifel dererste, dessen Empfindungen sich auf das Gehör über-tragen ließen. Gegenstande, welche man hörte,wurden sehr oft auch gesehen, und warum sollte manDinge, die man bloß sahe, nicht auch hören zu kön-nen glauben? Die meisten Wörter, welche sich ei-gentlich aus das Gesicht beziehen, tönen »och jetzt,Licht, (1ux,1uc-ere,) ein Ton der leichten schnellenBewegung, und was bewegt sich leichter und schnellerals das Licht? Hell, eine Figur dcsHalles oder hel-len Lautes; so auch klar, heit-er, laut - er, dunk-el, eigentlich ein Nahme des dumpfigen Lautes,roth, (reir-en, riy-en,) ein Ausdruck der heftigenstark auffallenden Bewegung, Glanz, ein Nahmeeiner sanften gleichsam gleitenden Bewegung. Ebenso verhalt es sich mit den übrigen Sinnen. ImGlatten höret man das Gefühl gleichsam gleiten,im Rauhen und Holperigen das Unebene tönen.Wo das Tönende schwerer zu empfinden ist, wie insüß, sauer, bitter, hcrd u. s. f. da stammen sol-che Wörter erst im dritten oder vierten Gliede voneinem unmittelbar tönenden Worte ab, welchesdurch eine Reihe von Figuren gegangen ist, ehe esdiese Bedeutung bekommen hat; z. B. sauer, ei-gentlich jaur, gehöret vermuthlich zu sehr in verssehren und bedeutet eine im hohen Grade unange-nehme Empfindung, und dieses kommt in dem tat.Lerr-are, sagen, dem Naturlaute, welchen es nach-ahmet, schon um einen Schritt näher.
Mit körperlichen, uns jetzt nicht mehr so deutlichin das Gehör fallenden Handlungen verhalt es sichnicht anders. Der rohe ungebilix'te Naturmensch,dessen Bewegungen und Handlungen stärker undnachdrücklicher sind, als des in der feinen bürger-lichen Gesellschaft verzärtelten, und dessen Gehi.'r,
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