Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
206
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2O6 I.TH. l.Abschn. 'Bildung der Wörter»

Ausdruck §- 62. Die erste Spracherfindung stützte sichmm tönen- ganz auf das Gehör, oft so sehr, daß auch der Aus-der Gegen- spruch aller übrigen Sinne dabey vernachlässigt wur-siünde. ^ hj^x,^ Wege erwarb sich der rohe Na-

turmensch sehr bald klare Vorstellungen von den äu-ßern Gegenständen, so bald sie nur durch diesenSinn empfunden wurden, und vielleicht hatte erbey dieser Beschäftigung die mögliche Anzahl derWurzelwörter schon größtentheilö erschöpft. Allein,da seine Seele einmahl einen Vorschmack von kla-ren Vorstellungen hatte, so wurde sie durch den Reihderselben, der schon bey Taubgebohrnen, wenn siedurch künstliche Mittel zur Sprache, und folglich zuklaren Begriffen, gelangen, überaus groß ist, gleich-sam gezwungen, aus diesem Wege weiter fort zu ge-hen, und sich von Gegenständen, welche nicht un-mittelbar in das Gehör fallen, klare Vorstellungen,folglich auch für dieselben Nahmen zu verschaffen.Der Mensch hatte schon Wörter für Arten, Ge-schlechter und Classen, die er nicht unmittelbar tö-nen hörte, und da sich die Kraft der Abstraction undAssociation hier schon geübt hatte, so war es soschwer nicht, auch für die Empfindungen der übri-gen Sinne Nahmen zu finden, oder vielmehr, dieseNahmen bothen sich von selbst dar. Allein dienoch ungebildete Seele gehet bey diesem Geschäftder Association der Ideen oft einen Weg, der demmifgeklärtern Verstände sonderbar scheinet. HerrnHeinicrettö schon oben erwähnter Taubgebohrnernannte den benachbarten Krämer, von welchem ertäglich Wahren hohlen mußte, Gott weiß warum?parc, und das Geld daher Patten. Kinder rei-hen ihre Ideen auf ähnliche Art, und eben so derNaturmensch, der sich dem Verstände nach mit demKinde in einerlei) Falle befindet.

Der