2. Kap. Ursprung der Sprache. §.6i. 205
in einer verschiedenen Modifikation der Sache selbsthat. Dieser Überfluß hatte bey weiterer Cultur denVortheil, daß man einen Begriff in manchen Fallennach allen Graden der Starke, und nach allen seinenSchattirungen ausdrucken konnte; ein Vortheil,woran die ersten Spracherfinder in der Kindheit ih-rer Begriffe wohl nicht denken konnten.
Wäre die Sprache ein Werk einer willkührli-chen Verabredung, oder nur einer schon ausgebilde-ten Erkenntniß, so würden ihre Erfinder diese ge-doppelte sehr wichtige Unbequemlichkeit, welche demPhilosophen jetzt ein solches Ärgerniß ist, gewißvermieden haben. Aber so beweiset alles die rohebloß sinnliche Nachahmung der Naturlaute.
Da man einmahl Nahmen für die Arten derDinge hatte, so war es in der Folge leicht, auch fürdie Geschlechter und Elasten Nahmen zu erfinden,aber alles freylich nur nach dunkel empfundenenÄhnlichkeiten. Die unbekleideten Wurzelwörterwaren wegen ihrer Unbestimmtheit die schicklichstendazu. Fisch, ein sich schnell und gleichsam mit ei-nem Zischen imWaster fort bewegendes Ding, V05gel, ein Ding, welches sich schnell durch die iuftbewegt, Thier, ein lebendes Ding; wie viel be-greiffen sie nicht in sich? Allein sehr hohe Classen,welche sich nicht durch ein allgemeines hörbaresMerkmahl verriethen, waren für die Abstraktiondieser Zeiten noch zu schwer, daher die Deutschenkeine Nahmen hatten, Materie, Nörper u. s. f.auszudrucken, sondern selbige aus einer eultivirternSprache borgen mußten. Ding, Mesen habenerst in den neuern Zeiten den allgemeinen Begrifferhalten, welchen man jetzt damit verbindet.
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