204 I. Th. I. Abschn. Bildung der Wörter.
aus lieber langer Weile hinsetzt, weit gesuchte Ähn-lichkeiten auszugrübeln.
Auf der andern Seite machte eben diese genaueAnhänglichkeit an den Ton, daß ein und eben die-selbe Sache nicht allein bey mehrern Völkern, son-dern selbst bey einerley Volke mehrere Nahmen be-kam, je nachdem sie, wenn sie wieder vorkam, miteinem andern Tone verbunden war, oder doch unterdemselben gedacht wurde. Beyspiele finden sichüberall. Gehen, reisen, (ehedem auch für gehen)wandern, wallen, (Franz. allei,) vaciere, (linserwaren,) /Z«^?<v, (zu Bahn, Vein,) irs; reden,sprechen, sagen. Woher diese Verschiedenheitanders, als von der Verschiedenheit des nachgeahm-ten lautes? Oft freylich auch von der unbestimmtenBeschaffenheit des lautes, welchem die Einbildungs-kraft zu Hülfe kommen mußte, daher fein Ausdruckin verschiedenen Gegenden und zu verschiedenen Zei-ten so verschieden ausfiel. Eines der auffallendstenBeyspiele, wie man einerley, freylich nur dunkelgedachten Begriff durch so verschiedene taute aus-gedruckt hat, ist das in allen Sprachen so irreguläreVerbum seyn. Da dieses, seinem heutigen Ver-stände nach, einen sehr abstracten Begriff bezeichnet,den man in der Kindheit der Cultur nur sehr dunkelempfinden konnte, so ist es auch in allen Sprachenein unförmliches Ganzes, welches aus lauter dunkelempfundenen einzelen Fällen zusammen geseht ist,denen man in der Folge einen bestimmten Begriffgegeben hat, welchen wir, trotz aller unserer Verfei-nerung, noch jetzt nicht zur Deutlichkeit bringen kön-nen : bin, is- r, sey, sey - n, sind, war, gc - wes-- en.Daher rührt es denn aber auch, daß keine Sprachevollkommene Synonyma besitzet, weil die Verschie-denheit des NacurtoneS doch immer ihren Grund
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