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verloren gegangen, besonders von solchen, wo dasVerbum unmittelbar aus der ersten Interjectiongebildet worden, welche bey Erweiterung der Spra-che nach deutlichen Begriffen weggeworfen ward,und nur noch in ihrer zahlreichen Nachkommen-schaft lebt.
Aber das zugegeben, welcher Redethcil ist eher,das Nennwort oder das Verbum, und welches vonbeyden kann man im Nothfalle als das Stamm-wort des andern ansehen? Im Ganzen ist freylichder Nahme der Dinge älter als derjenige Redetheil,der demselben ein Prädicat beyleget; allein in ein-zclen Fällen läßt sich das nicht allemahl behaupten,denn da können das Substantiv und Verbum gleichalt, oder doch unabhängig von einander ausgebildetseyn. Die Wurzel eines jeden Wortes ist ursprünglicheine Interjection; diese ging entweder so unverän-dert wie sie war, oder nach vorher gegangener Aus-bildung und Ankleidung in das Adverbium über.Aus dem Adverbio ward sowohl das Verbum, unddieses schlechterdings durch Flexion, als auch dasSubstantivum, entweder durch Ableitung, oderauch ganz ungeändert. Man kann also in einzelcnFällen sicher behaupten, daß das Adverbium, nochmehr aber die Interjection älter ist, nicht aber, daßdas Substantiv schlechterdings älter seyn müsse, alssein Verbum. ü.icbe und lieben sind beyde voneinander unabhängig, von dem Adverbio lieb gebil-det; blirz ist ursprünglich eine Interjection, dieseward ohne alle Änderung in der Olirz der Nahmedes Dinges, in bliy--en aber das Verbum. Manwürde sich aber nicht genau ausdrucken, wenn mansagen wollte, das Verbum blirzen stamme von demSubstantivs derDliy her; richtiger ist es, wennman sagt, das Verbum bliyen stammet von der
Wurzel