Briefe
Von dem Herrn Jacobi.
Düsseldorf den iz. Oct. 176z.6^ch befinde mich nunmehr in dem Lande, wo fast
alle Leute keine Liebhaber der schönen Wis-senschaften sind, und empfinde um so viel mehr denWerch eines Briefwechsels mit Freunden, die edlerdenken, und ihre feinere Seele durch die Künste ge-bildet haben. Wie glücklich bin ich, an Sie schrei-ben zu dürfen! Sie wissen, was ich Ihnen oft vonder hiesigen Barbarey gesagt habe, und ich kann Fh«nen versichern, daß davon nichts übertrieben war.Man lebt in der ruhigsten Unwissenheit, Geliert undKlopstvck sind unbekannte Namen, und ausser sei«nem Berufe zu denken, wird für überflüßig gehalten.Einige wenige, mit denen ich das Glück habe bekanntzu seyn, sind hiervon ausgenommen. Vielleicht ist mirdas Schicksal günstig genug, noch wenige andere zuentdecken. Unser Landesherr soll wirklich viel Ge»schmack besitzen, und die schönen Wissenschaften aufalle Weise zu befördern suchen. Er hat zu dem End«in Man heim eine kleine Societät errichtet, und zuBelohnungen und Pensionen sechs tausend Gulden«usgeseht. Vorige Woche ist dieselbe eröffnet worden.
L I Meine