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Halberstadt den yten Nov. 1770.
t^ch weiß nicht, mein lieber Freund, wer von unsbeyden die mehrste Schuld hat; Sie, der Sieauf meinen Brief nicht antworteten, oder ich, derich Ihnen einen zweyten Brief versprach, und dasVersprechen nicht hielt? Wenn wir die Ursachen un»fers Stillschweigens zusammen bringen; so wirdes ungefähr gegen einander aufgehen. Sie lagen dieganze Zeit zu Felde, und ich reiste in der halbenWelt herum. Bald war ich zu Düßeldorf, bald zuElberfeld, dann in Aachen , in Spaa, in Göttin«gin p. p. und nun bin ich erst vierzehn Tage wiederhier. Unterdessen, mein lieber Freund, dachte ichoft an Sie, und sie sagten mir öffentlich viel Freund-schaftliches, wofür ich Ihnen meinen besten Dankabstatte. Ganz gerührt war ich, als ich Ihre Re-cension meiner sämmtlichen Werke las, die mit sovieler Warme und mit vieler Anmuth geschrieben ist.Sie glauben nicht, wie nahe mir es gierig, als ichhören mußte, G^* sey derjenige, der mich so heftigangegriffen hatte. Der Sänger der Grazien einessolchen Haffes fähig? Wie traurig! Nein, der Trostsoll mir immer bleiben, daß ich, rechtschaffen gegenjedermann, so lebe, wie ich schreibe, und daß inallen meinen Gedichten keine gute Empfindung ist,die ich in meinen Handlungen verlaugne.