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Christian Thomasens Von Der Kunst Vernünftig und Tugendhaft zu lieben : Als dem eintzigen Mittel zu einem glückseeligen, galanten und vergnügten Leben zugelangen, Oder: Einleitung Der Sitten-Lehre ; Nebst einer Vorrede, In welcher unter andern der Verfertiger der curiösen Monatlichen Unterredungen freundlich erinnert und gebeten wird, von Sachen, die er nicht verstehet, nicht zu urtheilen, und den Autoren dermahleins in Ruhe zu lassen
Entstehung
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44 Bas l. H. vHtt der Geltchrheit

ruiniret Yen Magen, wenn man nach langer Fastsso viel ißt, als die Begierde antreibet' Man rich-tet nichts aus, wenn man inemem Augenblick oderin einer alim kmtzen Zeit die Irrthümer und Vor--mtheile will loß werden, oder auf einmahl die lan^ge eingewurzelten Gewohnheiten und Sitten ode?,MeÄen abschaffen.

119. Aber hieraus folget zugleich, daß dasjeni-ge, was in Ansehen des ordentlichen Zustan-des gut ist, Kose seyn würde, wenn man es ei-nem Menschen, der in dem au sserord entliehenZustande lebet, sppliciren wolle, und daß Hin-gegentheil das, was einem Krcmcken, Unwissen-den und Lasterhaften gut ist, einem gesunden,weisen und tugendhaften Menschen bose seynkönne.

120. Eine mäßige Bewegung, ein StücksRindfleisch, eine frische L.uft, ist einem Ge-funden gut, aber einem?o Zwischen, Schwind-süchtigen und ^ebricitanren schädlich. Und wasein Weiser mit Vergnügen für wahr erkennet,.darüber ärgert Mein in Irrthum steckender, odeewird doch gleichsam darüber verblendet. EinTugendhafter ist ruhig, wenn er alleine ist, wenaer wenig hat, wenn er wenig isset undtrin-cket. Ein Wollüstiger stirbst für Verdruß,wenn er keine Gesellschaft hat, und ein Geitzigerhänget sich, wenn man ihm feinen Schatz nimmt;Ein Trunckenbold wird kranck, wenn man ihm8° Tage allen Wein entziehet.

121. Wie-